Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Wahl-O-Mat zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 20. September 2026 freigeschaltet. Das Online-Tool ermöglicht Wählern, ihre eigenen politischen Positionen mit den Programmen der 17 antretenden Parteien abzugleichen. Bezahlbares Wohnen, preiswerter öffentlicher Nahverkehr, eine funktionierende Verwaltung, innere Sicherheit und die Sanierung von Schulen gehören zu den zentralen Themen des Berliner Wahlkampfs.
Der Wahl-O-Mat basiert auf 38 Thesen, zu denen Nutzer mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „These überspringen“ Stellung nehmen können. Nach der Beantwortung aller Fragen gleicht das System die Antworten mit den Positionen der teilnehmenden Parteien ab. Zusätzlich können die Thesen individuell gewichtet werden, um Themen hervorzuheben, die dem Nutzer besonders wichtig sind. Der anschließende Parteienvergleich zeigt bei jeder These, welche Parteien übereinstimmen und wo Unterschiede bestehen. Zu allen Thesen lassen sich die Begründungen der Parteien nachlesen, außerdem sind wissenschaftliche Kurzprofile zu den antretenden Parteien verlinkt.
Die Wahl 2026 ist für Berlin eine besondere: Sie steht im Schatten der sogenannten Pannenwahl von 2021, bei der es zu erheblichen organisatorischen Problemen kam. Fehlende oder falsche Stimmzettel sowie lange Wartezeiten vor den Wahllokalen führten dazu, dass die Wahl 2023 vollständig wiederholt werden musste. Das damalige Abstimmungsergebnis galt lediglich für den Rest der laufenden Legislaturperiode. Die Wahl 2026 ist nun der nächste reguläre Wahltermin.
Für die Berliner CDU kommt die Wahl unter besonderen Vorzeichen: Zwei Monate vor dem Wahltermin zog sich Kai Wegner als Spitzenkandidat zurück. Er zog die Konsequenzen aus einer monatelangen Diskussion um falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement während des großen Stromausfalls im Januar 2026. Neuer Spitzenkandidat wurde Stefan Evers, dem nur wenig Zeit bleibt, sich zu positionieren.
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat mindestens 130 Mitglieder. Hinzu kommen Überhang- und Ausgleichsmandate. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt, als ihr über die Zweitstimmen zustehen. Die anderen Parteien erhalten dann Ausgleichsmandate, damit das Kräfteverhältnis dem Wählerwillen entspricht. Seit der Wiederholungswahl von 2023 saßen deshalb insgesamt 159 Abgeordnete im Abgeordnetenhaus.
Die Thesen des Wahl-O-Mat werden von einem Team aus Jung- und Erstwählern, Politikwissenschaftlern, Statistikern und Pädagogen erarbeitet. Sie beruhen auf den Partei- und Wahlprogrammen sowie den Wahlaussagen der Parteien. Die Thesen werden den Parteien vorab zur Verfügung gestellt, damit diese ihre Standpunkte konkretisieren können.
Kritiker weisen auf strukturelle Grenzen des Instruments hin: Die Auswahl der 38 Thesen entscheidet maßgeblich darüber, welche Themen sichtbar werden und welche nicht. Parteien mit klaren, kontrastreichen Positionen schneiden tendenziell besser ab als solche, die auf Kompromiss und Ausgleich setzen. Der Wahl-O-Mat ging erstmals zur Bundestagswahl 2002 an den Start und steht seit 2003 auch für Landtagswahlen und Europawahlen zur Verfügung. Insgesamt wurde er seitdem mehr als 160 Millionen Mal genutzt. Die Bundeszentrale für politische Bildung betont, dass der Wahl-O-Mat lediglich der Information dient und keine Wahlempfehlung darstellt.