Ein Verkäufer der französischen Videospielkette Micromania ist bei den Protesten in Nizza durch seinen Einsatz für seinen Laden bekannt geworden. Wie in sozialen Netzwerken geteilte Videos zeigen, stellte sich der Mitarbeiter namens Pierre in den Eingang der Filiale in der Innenstadt, um Plünderer abzuhalten. Dabei wurde er attackiert und zu Boden gestoßen. Der Laden wurde trotzdem geplündert, Pierre erlitt zudem Verletzungen im Gesicht durch geworfene Gegenstände.
Die Proteste in Frankreich waren durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die sich verschlechternden Bedingungen an Schulen ausgelöst worden. Bei den Ausschreitungen wurden nach Angaben der BBC mehr als 1.200 Menschen festgenommen. Auch Geschäfte in Nizza waren betroffen: Insgesamt 15 Betriebe wurden beschädigt, darunter Filialen von JD Sports, Decathlon und Foot Locker. Die Polizei nahm 85 Personen in Gewahrsam, 40 davon waren minderjährig.
Pierre sagte dem Sender ICI, er habe sich irgendwann einfach vor den Eingang gestellt, um Menschen am Betreten zu hindern. «Ich kann kaum verarbeiten, was passiert ist», erklärte er. «Das kommt vielleicht etwas später, wenn sich die Lage beruhigt hat. Ich glaube nicht, dass ich es hätte tun sollen, ehrlich gesagt. Es war töricht. Aber in dem Moment habe ich es getan.»
Seit dem Vorfall erreichen Pierre zahlreiche unterstützende Nachrichten in den sozialen Medien. Er zeigte sich dankbar, betonte aber, dass die Proteste Ausdruck echter Probleme seien, mit denen arbeitende Menschen weltweit zu kämpfen hätten. «Es ist sehr nett, dass sie mir, allen Ladenbesitzern und allen anderen ihre Unterstützung anbieten», sagte er. «Wir sollten nicht vergessen, dass diese Art von Verhalten die Ausnahme ist, nicht die Regel. Während des restlichen Marsches lief es ziemlich gut. Es gibt ein paar ‹faule Äpfel›, aber sie repräsentieren nicht die Mehrheit.»
Um den Wiederaufbau der Filiale zu unterstützen, wurde ein Spendenaufruf gestartet. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung waren etwas mehr als 6.000 Euro zusammengekommen. In dem Aufruf heißt es, der Leiter der Micromania-Filiale in der Rue Jean Médecin in Nizza habe durch die Ereignisse Schaden erlitten und sei von Gruppen von Vandalen feige angegriffen worden, während er tapfer sein Geschäft verteidigt habe. «Hinter jedem Laden stehen leidenschaftliche Menschen, die sich täglich dafür einsetzen, uns zu empfangen, zu beraten und ihre Liebe zu Videospielen mit uns zu teilen. Heute sind wir an der Reihe, ihm zu zeigen, dass die Community in dieser schwierigen Zeit hinter ihm steht.» Ob die Spenden Pierre oder dem Geschäft zugutekommen, ist bislang unklar.
Der Fall zeigt, wie sehr die Ausschreitungen den Alltag in Frankreichs Städten treffen. Für viele junge Menschen sind Videospiel-Läden Treffpunkte und Teil ihrer Freizeitkultur. Dass ein Angestellter seinen Arbeitsplatz verteidigt und dafür Verletzungen in Kauf nimmt, hat in den Netzwerken eine Welle der Solidarität ausgelöst. Pierre selbst warnt jedoch davor, die Gewalt als typisch für die Proteste darzustellen. Die Mehrheit der Demonstrierenden habe sich friedlich verhalten, sagte er. Die Täter seien eine Minderheit, die die Anliegen der Bewegung nicht vertrete.