Der Berliner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak hat sich für seinen Kontakt zu Firas Remmo, dem Sohn des bekannten Clan-Chefs Issa Remmo, entschuldigt und angekündigt, sich zunächst zurückzuziehen. In einer am Montagabend auf Instagram veröffentlichten Stellungnahme bestätigte Koçak einen zuvor von Firas Remmo öffentlich gemachten Chat und räumte einen Fehler ein. «Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen», erklärte der Neuköllner Abgeordnete. Ihm sei bewusst, dass bereits der Anschein einer solchen Nähe ausgeräumt werden müsse.
Nach Koçaks Darstellung kam der Kontakt zustande, nachdem er Menschen zur Beteiligung an politischen Aktionen aufgerufen hatte. Er kommuniziere jede Woche über soziale Netzwerke mit Hunderten Menschen aus Neukölln und habe zunächst nicht gewusst, wer Firas Remmo sei. Dessen Identität sei ihm erst kurze Zeit später bekannt geworden. Allerdings brach Koçak den Austausch auch dann nicht ab, als er von dessen Identität wusste. Er schrieb dem Sohn des Remmo-Chefs später erneut und bat ihn, einen Ausschnitt aus einer seiner Bundestagsreden zu verbreiten. Genau darin sieht Koçak heute einen Fehler. «Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte», sagte der Politiker.
Firas Remmo hatte zuvor bei Instagram einen Screenshot des auf den 17. Februar datierten Austauschs veröffentlicht. Darin lässt Koçak über ihn «Grüße mit Respekt» an Clan-Boss Issa Remmo ausrichten. Später bittet er Firas Remmo darum, ein Video seiner Rede weiterzuverbreiten. Remmo veröffentlichte den Screenshot am Sonntagabend und schrieb dazu unter anderem, man stehe zusammen und kämpfe gemeinsam für seine Ziele. Bei der Rede handelte es sich um einen Beitrag Koçaks zu einer Bundestagsdebatte über sogenannte Clankriminalität. Der Linken-Politiker hatte dabei kritisiert, Menschen würden allein wegen ihres Nachnamens unter Verdacht gestellt. Die Debatte fand Ende Januar im Bundestag statt.
Der nun bestätigte Nachrichtenverlauf zeigt keinen direkten Chat zwischen Koçak und Issa Remmo. Er belegt jedoch einen Austausch des Abgeordneten mit dessen Sohn sowie der von Koçak übermittelte Gruß an den Vater. Koçak kündigte in der Instagram-Story an, sich zunächst zurückzuziehen. Er wolle mit seinem Team Transparenz herstellen und an seinem Kommunikationsverhalten arbeiten. Was dieser angekündigte Rückzug konkret für seine politische Arbeit bedeutet, ließ er offen.
Vor dem Auftauchen der Chats hatte der Auftritt von Issa Remmo bei der Wahlparty des Neuköllner Linken-Bezirksverbands Kritik nach sich gezogen. Nach Angaben der Partei war Remmo nicht eingeladen. Die Veranstaltung sei öffentlich zugänglich gewesen. Nachdem er erkannt worden sei, habe man ihn hinausbegleitet. Der Bezirksverband erklärte zudem, es gebe keine politischen oder persönlichen Beziehungen zu Issa Remmo. Auch Koçak geriet in diesem Zusammenhang in die Kritik. Er hat sich am Montag zu einem Foto mit dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim geäußert, das auf derselben Wahlparty entstanden war. Ibrahim wird dem Umfeld der palästinensischen PFLP zugerechnet. Der Berliner Verfassungsschutz zählt die PFLP zum extremistischen Spektrum und beschreibt das «Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee», in dessen Umfeld Ibrahim auftritt, als einen prägenden Akteur der israelfeindlichen Szene. Die PFLP steht auf der Terrorliste der Europäischen Union. Koçak erklärte, auf der Wahlparty Hunderte Fotos mit Besuchern gemacht und deren politische Hintergründe nicht in jedem Fall gekannt zu haben. Von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen distanziere er sich ausdrücklich.
Die Vorwürfe treffen die Berliner Linke unmittelbar nach ihrem Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl. Die Partei erreichte nach dem vorläufigen Ergebnis 25,7 Prozent und wurde erstmals stärkste Kraft in der Hauptstadt. Der Vorgang dürfte die innerparteiliche Debatte über den Umgang mit problematischen Kontakten und die Abgrenzung zur organisierten Kriminalität weiter anheizen.