Bei der UN-Vollversammlung in New York steht an diesem Dienstag die Rede von US-Präsident Donald Trump im Mittelpunkt. Doch die Aufmerksamkeit richtet sich nicht nur auf den Auftritt selbst, sondern auch auf die Frage, wie die US-Medien darüber berichten werden. Viele amerikanische Sender und Zeitungen boykottieren die Berichterstattung aus Solidarität mit den von Trump sanktionierten Medien.
Hintergrund ist der Entzug der Akkreditierung für das Weiße Haus für die Sender CNN, MS NOW und die Plattform Politico. Trump hatte den Schritt damit begründet, dass diese Medien «Fake News» verbreiten würden. Als Reaktion darauf hatten mehrere große TV-Sender, darunter ABC, CBS, NBC und Fox News, angekündigt, bis auf Weiteres keine gemeinsamen Pool-Termine des Präsidenten mehr zu begleiten. Auch eine Klage der ausgeschlossenen Medien ist anhängig, um den Zugang zu Presseauftritten des Präsidenten wiederzuerlangen.
US-Vizepräsident JD Vance verteidigte den Ausschluss. Die Berichterstattung der betroffenen Medien über Trump und seine Regierung sei zu «92 Prozent negativ», behauptete er gegenüber Reportern. Der Präsident habe jedes Recht, «diese Propaganda» zu verbieten. Die Akkreditierung solle zurückgegeben werden, wenn sich die Sender wie «richtige Nachrichtensender» verhielten.
Unterdessen hat das Weiße Haus am Montag einen eigenen Streamingkanal mit dem Namen «The Essential Station» gestartet. Der Kanal ist auf der Website des Weißen Hauses sowie auf YouTube verfügbar und soll rund um die Uhr Trump-affine Inhalte ausstrahlen. Zum Start wurden unter anderem eine Rede eines ehemaligen Marines und eine Aufzeichnung einer Veranstaltung zum 250. Gründungstag des US Marine Corps gezeigt, die bereits im November 2025 stattfand. Aktuelle Inhalte oder journalistische Formate waren zunächst nicht zu sehen. Die Zuschauerzahl auf YouTube blieb mit etwas mehr als 2.000 Interessierten überschaubar.
Das Weiße Haus erklärte, der Stream solle täglich «die besten Momente aus der Vergangenheit, Ankündigungen sowie die neuesten und wichtigsten Nachrichten aus der Regierung» bieten. Ob es jemals aktuelle Inhalte geben wird, ließ die Regierung offen. Beobachter werten den Start des Kanals als direkte Reaktion auf den Medienboykott und als Versuch, die Deutungshoheit über die eigene Kommunikation zu behalten.
Für die UN-Vollversammlung bedeutet das eine ungewöhnliche Konstellation: Während Trump vor der Weltgemeinschaft spricht, bleibt unklar, ob und wie viele US-Zuschauer die Rede live verfolgen können. Die Frage, wie die Menschen auf Trumps Rede reagieren und ob sie überhaupt live übertragen wird, ist laut Korrespondent Michael Wüllenweber spannend. Die Antwort darauf dürfte auch davon abhängen, welche Sender sich an dem Boykott beteiligen und ob der neue Regierungskanal die Lücke füllt.