Maggie Robertson, die Schauspielerin hinter Lady Dimitrescu aus dem 2021 erschienenen Horror-Spiel Resident Evil Village, hat deutlich gemacht, dass sie ihre Paraderolle jederzeit wieder aufnehmen würde. «Oh, natürlich! Hundertmal ja. Sie ist mein Erstgeborener. Also, wann immer sie anrufen, werde ich sagen: Schöne Tage», sagte Robertson im Gespräch mit IGN auf der gamescom in Köln. Die Frage, ob die überdimensionale Vampirin in einem weiteren Spiel, einer Animation oder sogar einer Live-Action-Produktion auftauchen könnte, lässt der japanische Publisher Capcom bislang offen. Robertson jedenfalls steht bereit.
Für die Schauspielerin war Lady Dimitrescu der allererste Job in der Videospielbranche – und veränderte ihr Leben radikal. «Dieses Spiel, diese Figur hat mein Leben in jeder Hinsicht verändert», sagte sie. «Es gibt keinen Aspekt meines Lebens, der von dieser Figur nicht berührt wurde.» Robertson hatte gerade ihren Hochschulabschluss in der Tasche, als sie im Januar 2019 nach Los Angeles zog, ohne Agentur, und sich auf gut Glück für verschiedene Projekte bewarb. Eigentlich wollte sie vor allem vor der Kamera arbeiten. Doch dann kam die Audition für Lady Dimitrescu dazwischen – ein Zufall, der alles veränderte. «Ich hatte keine Ahnung, für welches Spiel oder welche Figur ich vorspreche», erzählte sie. Wegen der strengen Geheimhaltung in der Branche seien alle Informationen, inklusive Charakternamen und Dialoge, gefälscht gewesen.
Was folgte, war ein beispielloser Hype. Nach der Enthüllung der Figur vor der Veröffentlichung von Resident Evil Village avancierte Lady Dimitrescu zum viralen Phänomen. Capcom rückte die hochgewachsene Antagonistin ins Zentrum der Marketingkampagne: Sie erschien auf Plakatwänden, in unzähligen Trailern und in Social-Media-Posts, die ein riesiges Fandom entfachten. Der Erfolg des Spiels und die Popularität der Figur katapultierten Robertson in eine neue Karriere. Seitdem hat sie in namhaften Produktionen mitgewirkt, darunter Baldur’s Gate 3 als Orin die Rote und Fortnite als DJ PJ.
Aktuell promotet Robertson ihr neuestes Projekt: Im kommenden Dungeons-&-Dragons-Spiel Warlock spielt sie Tasha, eine zwiespältige Patronin, die weder eindeutig gut noch böse ist. «Was ich an Tasha am meisten mag, ist, dass sie weder gut noch böse ist», erklärte Robertson. «Sie ist in dieser Hinsicht komplex. Sie kann je nach Tag in die eine oder andere Richtung gehen.» Tasha sei charmant und charismatisch, aber auch gerissen und letztlich auf ihren eigenen Vorteil bedacht. «Sie wird dir sicher helfen, aber es gibt immer etwas für sie dabei, wenn sie sich entscheidet zu helfen. Und du weißt nicht immer, was das ist.» Solche vielschichtigen Figuren reizen sie besonders. Auf der Opening Night Live im vergangenen Monat stellte Robertson das Gameplay von Warlock persönlich vor – ein weiterer Beleg für ihren Status in der Gaming-Industrie.
Dass ihr Werdegang so verlaufen würde, hätte sie sich nicht träumen lassen. «Das ist der Hollywood-Traum. Das ist, was sie dir verkaufen: Du weißt nie, wann dein großer Durchbruch kommt», sagte sie. «Und genau das ist mir passiert. Ich habe einfach Ja zu einer zufälligen Sache gesagt.» Die Erfahrung habe ihr Türen geöffnet, die ihr sonst verschlossen geblieben wären – besonders für Rollen, die sie als Theaterschauspielerin oder vor der Kamera erst mit 50 oder 60 Jahren hätte spielen können. «Ich musste nicht warten. Ich musste mich nicht durch mein Aussehen einschränken lassen», so Robertson. «Wenn du es dir vorstellen kannst, kannst du es sein. Das finde ich so befreiend.»
Ob Lady Dimitrescu jemals zurückkehren wird, bleibt abzuwarten. Capcom hat sich bislang nicht geäußert. Doch sollte der Anruf kommen, wird Robertson nicht zögern. «Sie ist mein Erstgeborener», sagte sie. «Also, wann immer sie anrufen, werde ich Ja sagen.»