Wireva

Brics-Gipfel in Neu-Delhi: Machtkampf zwischen China und Indien

Beim Brics-Gipfel in Indien geht es hinter den Kulissen um die künftige Ausrichtung der Gruppe. China und Indien ringen um Einfluss, während Russland und der Iran eine antiwestliche Linie fordern. Modi will die Gruppe nichtwestlich, aber nicht antiwestlich halten.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Beim Brics-Gipfel in Neu-Delhi steht nicht Wladimir Putin im Zentrum des Geschehens, sondern der Machtkampf zwischen China und Indien. Beide Staaten wollen prägen, wofür die Gruppe künftig steht. China drängt darauf, die Brics stärker als wirtschaftliches und politisches Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten zu positionieren. Indien hingegen will dem Globalen Süden mehr Einfluss verschaffen, ohne sich einem von Peking dominierten Lager anzuschließen.

Für Putin sind die Bilder aus Indien dennoch wertvoll. Seit mehr als vier Jahren führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Im Westen ist der Kremlchef weitgehend isoliert, in Indien wird er als Präsident einer Großmacht empfangen. Auch der iranische Präsident Massud Peseschkian ist angereist. Chinas Staatschef Xi Jinping betritt erstmals seit sieben Jahren wieder indischen Boden. Doch der entscheidende Machtkampf dreht sich nicht um Putin, sondern spielt sich zwischen Modi und Xi ab.

Für Modi ist die Ausgangslage schwierig. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert an, gleichzeitig erschüttert der Iran-Krieg die Energie- und Rohstoffmärkte. Höhere Preise für Energie, Lebensmittel und Dünger treffen gerade viele Entwicklungs- und Schwellenländer. Der Iran ist inzwischen selbst Mitglied der Brics, ebenso die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Verhältnis zu Teheran durch den Krieg schwer belastet ist. Bereits im Mai scheiterten die Brics-Außenminister an einer gemeinsamen Abschlusserklärung. Nun muss Modi Staaten zusammenhalten, deren Interessen in zentralen geopolitischen Fragen auseinanderlaufen.

Darin liegt die Kehrseite der Erweiterung. Elf Mitgliedstaaten verleihen der Gruppe mehr wirtschaftliches und demografisches Gewicht. Gleichzeitig sinkt mit jeder neuen Konfliktlinie die Aussicht auf gemeinsames politisches Handeln. Russland und der Iran würden die Brics gerne deutlicher gegen Washington positionieren. Indien will genau das verhindern. Modi tritt deshalb regelmäßig auf die Bremse. Indien versteht die Gruppe als nichtwestlich, aber nicht als antiwestlich. Es fordert mehr Einfluss für den Globalen Süden, Reformen internationaler Institutionen und weniger Abhängigkeit vom Dollar. Doch Modi möchte nicht eine US-Dominanz gegen eine chinesische eintauschen. Genau deshalb bleibt China für Indien beides: notwendiger Partner und strategischer Rivale.

Dass Xi überhaupt nach Neu-Delhi reist, zeigt, wie stark sich das chinesisch-indische Verhältnis verändert hat. 2020 waren die Beziehungen nach tödlichen Grenzgefechten im Galwan-Tal an einem Tiefpunkt. Rund zwanzig indische Soldaten wurden getötet, auch China hatte Tote zu beklagen. Neu-Delhi verbot anschließend chinesische Apps wie TikTok und verschärfte die Kontrollen von Investitionen aus der Volksrepublik. Der Territorialkonflikt ist bis heute ungelöst. Am Himalaya stehen sich weiterhin Zehntausende Soldaten gegenüber. Auch im indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh schwelen die Spannungen zwischen den zwei bevölkerungsreichsten Ländern der Erde.

Trotzdem stabilisieren beide Staaten seit zwei Jahren vorsichtig ihre Beziehungen. Modi und Xi trafen sich 2024 beim Brics-Gipfel in Russland zu einem formellen Gespräch. Danach wurden Direktflüge wieder aufgenommen, Visa für chinesische Fachkräfte erleichtert und in diesem Jahr sogar Investitionsregeln gelockert. Dass Indien nun wieder stärker auf China zugeht, hat auch mit Donald Trump zu tun. Hohe US-Zölle, der Streit über indische Käufe russischen Erdöls und die Verbesserung der US-Beziehungen zu Pakistan haben in Neu-Delhi Zweifel an der Verlässlichkeit Washingtons verstärkt. Indien reagiert darauf mit einer Strategie, die seine Außenpolitik seit Jahrzehnten prägt: Es bindet sich nicht fest, sondern hält mehrere Optionen offen.

Für Peking ist das eine Gelegenheit. Je schwieriger das Verhältnis zwischen Indien und den Vereinigten Staaten wird, desto geringer ist die Gefahr, dass Neu-Delhi dauerhaft in ein gegen China gerichtetes Lager rückt. Von strategischem Vertrauen kann trotzdem keine Rede sein. Modi und Xi versuchen nicht, ihre Rivalität zu beenden. Sie versuchen, sie zu kontrollieren. Wirtschaftlich sitzt Peking am längeren Hebel. Indien gehört zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt, liegt beim Aufbau einer starken Industrie aber deutlich hinter China. Indische Unternehmen benötigen Maschinen, technische Komponenten und Vorprodukte aus der Volksrepublik. Der bilaterale Handel stieg im vergangenen Jahr um mehr als zwölf Prozent. Gleichzeitig erzielt China gegenüber Indien einen Handelsüberschuss von mehr als 100 Milliarden US-Dollar.

Same event, other desks

Story file →