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Warum Waldshut in einem neuen europäischen Exil-Netzwerk auftaucht

Eine ukrainischsprachige orthodoxe Gemeinde am Hochrhein ist Teil einer ungewöhnlichen europäischen Konstellation aus Hilfe für Geflüchtete, russischer Antikriegs-Emigration und politischen Kontakten. Entscheidend ist, was sich belegen lässt – und was nicht.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Waldshut-Tiengen ist für europäische Machtpolitik kein naheliegender Ort. Die Stadt liegt am Hochrhein, gegenüber der Schweiz, näher an Zürich und Basel als an Berlin. Genau deshalb fällt auf, dass sie in einer größeren Geschichte über ukrainische Migration, russische Antikriegs-Netzwerke und unabhängige Orthodoxie auftaucht.

Eine Recherche von «Українська Німеччина» hat die öffentlich sichtbaren Verbindungen zwischen mehreren europäischen Knotenpunkten zusammengetragen. Im Zentrum steht nicht der Nachweis einer geheimen Organisation. Dokumentiert wird vielmehr eine lose Infrastruktur, in der kirchliche Gemeinden, Hilfsprojekte, Exilorganisationen, Unternehmer und politische Institutionen miteinander in Berührung kommen.

Eine ukrainische Gemeinde im Grenzraum

Die Apostolische Orthodoxe Kirche führt eine Gemeinde der Auferstehung des Herrn in Waldshut-Tiengen. Als Priester wird Bohdan Hnatiuk genannt. Der ukrainischsprachige Kanal der Gemeinde verweist auf lokale Gruppen in Waldshut, Lörrach und Singen und berichtete wiederholt über den Aufbau kirchlichen Lebens für Ukrainer in der Region.

Für Grenzah ist vor allem die Geografie relevant. Waldshut, Lörrach und Singen bilden keine geschlossene Metropole, sondern liegen entlang der süddeutschen Grenze zur Schweiz. Der Alltag vieler Menschen ist grenzüberschreitend: Arbeit, Verkehr, Familienbeziehungen und wirtschaftliche Kontakte orientieren sich nicht ausschließlich an Staatsgrenzen. Eine neue ukrainische Gemeinde entsteht damit in einem Raum, der ohnehin von Bewegung zwischen Deutschland und der Schweiz geprägt ist.

Aus dieser Lage folgt jedoch nicht automatisch politischer Einfluss. Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass die Gemeinde Schweizer Unternehmen, Parteien oder Behörden organisiert anspricht oder als Vermittlerin für Kapital dient. Die Nähe zu Basel und Zürich ist ein Kontext, kein Beweis.

Warum die Kirche trotzdem interessant ist

Die größere Bedeutung ergibt sich aus der Struktur der Kirche selbst. Ihr heutiger Primas Grigory Mikhnov-Vaitenko war mit einer großen Hilfsstruktur für ukrainische Geflüchtete verbunden. Nach seinen Angaben wurden bis März 2024 etwa 40.000 Anfragen bearbeitet. Diese Arbeit brachte unabhängige Geistliche, Freiwillige, Juristen, private Spender und ukrainische Familien in Kontakt.

Ein zweiter Knoten liegt in Berlin. Dort trat der Priester Igor Manannikov 2025 im Reforum Space auf, einem Ressourcenzentrum für antikriegs- und prodemokratische Projekte im Exil. Reforum beschreibt sich selbst als Ort für Coworking, Veranstaltungen, Beratung und Vernetzung und berichtet von mehr als hundert residenten Projekten.

Ein dritter Knoten befindet sich in Straßburg. Dort registrierte die Apostolische Orthodoxe Kirche 2024 eine Gemeinde. Seit Januar 2026 arbeitet in derselben Stadt die neue Dialogplattform der Parlamentarischen Versammlung des Europarates mit russischen demokratischen Kräften. Auch hier gilt: die gemeinsame Geografie ist keine Koordination. Es gibt keine Belege dafür, dass die Straßburger Gemeinde die Plattform des Europarates organisiert oder steuert.

Ein regionales Beispiel für eine größere Veränderung

Interessant ist deshalb weniger die Vorstellung eines zentralen Hauptquartiers als die Funktion kleiner sozialer Orte. Eine Kirchengemeinde kann für Neuankömmlinge Sprache, Kontakte, praktische Hilfe und Vertrauen bieten. Ein Ressourcenzentrum kann dieselben Menschen später mit Medien, Juristen oder Projektpartnern verbinden. Politische Organisationen übernehmen wiederum Interessenvertretung gegenüber Institutionen.

So entsteht Einfluss nicht zwingend durch Befehlsketten, sondern durch Beziehungen. Für den Hochrhein ist das eine neue Facette der ukrainischen Migration: Neben Vereinen, Hilfsinitiativen und klassischen Kirchen entsteht eine unabhängige orthodoxe Struktur, die Teil einer breiteren europäischen Antikriegs- und Exilwelt ist.

Ob daraus in Zukunft ein klarer politischer Akteur wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Dafür wären gemeinsame Organisationen, nachvollziehbare Finanzströme oder formale Absprachen nötig. Sichtbar ist bislang etwas anderes: Waldshut ist zu einem kleinen, aber bemerkenswerten Punkt in einem europäischen Netz geworden, dessen Verbindungen von Flüchtlingshilfe über Religion bis in die politische Emigration reichen.

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