Brandon Sanderson hat in seinem wöchentlichen Podcast eine klare Empfehlung ausgesprochen: Auch wer den Kinofilm „Project Hail Mary“ bereits gesehen hat, sollte unbedingt zum Buch von Andy Weir greifen. Der Fantasy-Autor, der kürzlich seine neue Zusammenarbeit mit Hollywood bekannt gegeben hat, diskutierte mit seinem Co-Moderator Dan Wells über die Verfilmung des Science-Fiction-Romans und erklärte, was die Buchvorlage gegenüber dem Film auszeichnet.
„Sie haben viel von der Wissenschaft weggelassen, die fehlschlagenden Versuche, das Herausfinden, wie alles funktioniert“, sagte Sanderson in der Sendung. Besonders der Moment, in dem die Hauptfigur Ryland Grace feststellt, dass sie sich auf einem Raumschiff befindet, sei im Buch deutlich ausführlicher dargestellt. Statt die Information schnell zu liefern, erlebe man als Leser die Situation gemeinsam mit der Figur: „Du findest es zusammen mit ihm heraus – was ist das? Was geht hier vor?“ Dieser Prozess des gemeinsamen Entdeckens gehe im Film verloren, so der Autor.
Trotz dieser Unterschiede fand Sanderson ausschließlich lobende Worte für die Verfilmung. Er betonte, dass die Macher „einen fantastischen Job“ gemacht hätten. Diese Einschätzung teilt auch die Redaktion von IGN, die den Film in ihrer Rezension als „aufregend, herzerwärmend und urkomisch“ beschrieb und ihn auf die Liste der am besten bewerteten Filme des Jahres setzte. Die Kritik lobte insbesondere die Adaption durch das Regie-Duo Lord und Miller, die Weirs Feier von Wissenschaft, Teamwork und Mut auf die große Leinwand gebracht hätten, unterstützt von starken Darstellungen durch Ryan Gosling und James Ortiz sowie der Kameraarbeit von Greig Fraser.
Wer das Buch vor dem Film gelesen hat, dürfte Sandersons Argument nachvollziehen können. Filme können aufgrund ihrer begrenzten Laufzeit niemals die gleiche Tiefe bieten wie ein Roman. Andy Weir nimmt seine Leser mit auf eine detailreiche Reise, während ein Film nur so viel Wissenschaft zeigen kann, dass sie als Handlungselement glaubwürdig wirkt. Im Buch dagegen taucht man tief in die Erfahrungen der Figur in jeder einzelnen Szene ein.
Für alle, die das Buch noch nicht kennen, lohnt sich die Lektüre besonders wegen der gelungenen Verbindung von Wissenschaft und Spannung. „Project Hail Mary“ gehört zu den Werken, die das Science in Science-Fiction im besten Sinne ernst nehmen. Wer lieber hört als liest, findet zudem in der Hörbuchfassung eine empfehlenswerte Alternative: Der Sprecher Ray Porter hat eine angenehme Stimme, und die eingespielten Hintergrundgeräusche verstärken das Hörerlebnis erheblich. Der Einstieg fällt auch denen leicht, die normalerweise nicht viel lesen, da die Geschichte nach dem Film keine großen Hürden bietet.