Boris Becker hat nach dem US-Open-Sieg von Alexander Zverev eine Regeländerung im Tennis gefordert. Der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger kritisiert das zeitraubende Ballauftippen des Hamburgers vor dem zweiten Aufschlag. «Einen Kritikpunkt habe ich bei Sascha Zverev, nur einen. Dieses ewige Balltippen beim zweiten Aufschlag, bitte», sagte Becker in einem gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic. «Man braucht dringend eine Regeländerung, wie lange der Spieler Zeit hat vor dem zweiten Aufschlag.»
Zverev hatte bei den US Open in New York den Ball vor seinen zweiten Aufschlägen sehr oft aufspringen lassen. Eine Zeitbegrenzung gibt es dafür bislang nicht. Beim ersten Aufschlag haben die Spieler 25 Sekunden Zeit, um den Ball ins Spiel zu bringen, nachdem der Schiedsrichter den Spielstand angesagt hat. Becker, der als TV-Experte arbeitete, sagte: «Ich wurde hektisch beim Kommentieren. Ich dachte, wann fängt er denn an.»
Nicht nur Becker störte sich an dieser Angewohnheit. Zverevs unterlegener Halbfinalgegner Karen Chatschanow aus Russland hatte sich über die Marotte beschwert. Auch der Amerikaner Ben Shelton sprach sich nach dem verlorenen Endspiel für eine Regeländerung aus. Becker sieht darin einen Beleg dafür, dass die Diskussion über die Dauer zwischen erstem und zweitem Aufschlag nicht nur ein Einzelphänomen ist.
Trotz seiner Kritik hat Becker viel Lob für den Weltranglistenzweiten übrig. «Aber sonst hat er alles ziemlich perfekt gemacht», sagte Becker über Zverev, der vor gut drei Monaten bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen hatte. «Zwei Grand Slams in einem Jahr, das ist echt historisch.» Becker hatte zuvor als einziger männlicher deutscher Tennisprofi das Turnier in New York gewonnen. Nun traut er Zverev zu, ihm als zweite deutsche Nummer eins der Männer-Weltrangliste zu folgen. «Ich glaube, er hat jetzt eine Riesenchance auf dem Weg nach Turin», sagte Becker mit Blick auf die ATP Finals in Turin Mitte November zum Abschluss der Tennissaison.
Der Rückstand Zverevs auf den Weltranglistenersten Jannik Sinner, der bei den US Open verletzt fehlte, ist von mehr als 5.000 auf 1.810 Punkte geschmolzen. In der Jahresrangliste liegt der Hamburger bereits vorne, Sinner hat in den kommenden Turnieren deutlich mehr Punkte als Zverev zu verteidigen. Becker regte sich über Kritiker auf, die sagen, dass Zverev nur gewonnen habe, weil Sinner gefehlt habe, der Spanier Carlos Alcaraz gerade erst von einer langen Verletzung zurückgekommen sei und mehrere Mitfavoriten früh ausgeschieden seien. «Er kann immer nur den Gegner schlagen, gegen den er auf dem Platz antreten muss», sagte der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger. «Ich finde es eigentlich eine bodenlose Frechheit und eine unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber seiner Leistung.»
Becker hatte zuvor als einziger männlicher deutscher Tennisprofi das Turnier in New York gewonnen. Mit seinem Vorstoß in Richtung Weltranglistenspitze könnte Zverev nun in die Fußstapfen des 58-Jährigen treten. Die Diskussion über eine Zeitbegrenzung beim zweiten Aufschlag dürfte indes weitergehen. Ob der Weltverband tatsächlich eine neue Regel einführt, ist offen. Becker hat mit seiner Forderung jedoch eine Debatte angestoßen, die über das US-Open-Finale hinausreicht.