Die USA haben nach Angaben aus Seoul eine für den nächsten Monat geplante große gemeinsame Militärübung mit Südkorea abgesagt. Die US-Armee habe die Absage der amphibischen Landungsübung „Ssangyong“ damit begründet, dass ihre Fähigkeit, Truppen zu entsenden, „aufgrund der Lage im Nahen Osten eingeschränkt“ sei, sagte der Sprecher des südkoreanischen Marinekorps, Han Seung Jeon, am Montag bei einer Pressekonferenz.
Vor rund einer Woche hatte US-Präsident Donald Trump bereits eine Verkürzung des jährlichen gemeinsamen Manövers der US-Armee und der südkoreanischen Streitkräfte „Ulchi Freedom Shield“ verfügt. Die Übungen dienen unter anderem der Vorbereitung auf einen Angriff Nordkoreas. Trump hatte den Schritt in seinem Onlinedienst Truth Social unter anderem mit den hohen Kosten begründet und in einer überraschenden Volte die Manöver mit dem engen Verbündeten Südkorea als „feindselig“ gegenüber Nordkorea kritisiert. In der Folge endeten die Militärübungen bereits am vergangenen Freitag und nicht wie geplant am 27. August.
Der US-Präsident hatte zuletzt scharfe Kritik an dem historischen Verbündeten Südkorea geäußert – insbesondere wegen der südkoreanischen Weigerung, sich am US-Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Die Absage der Übung „Ssangyong“ folgt damit auf eine Reihe von Spannungen im Bündnisverhältnis zwischen Washington und Seoul.
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die USA ihre militärischen Ressourcen verstärkt im Nahen Osten konzentrieren. Die Begründung der US-Armee verweist ausdrücklich auf die dortige Lage, die eine Entsendung von Truppen für die gemeinsame Übung mit Südkorea nicht zulasse. Details dazu, welche Einheiten von der Absage betroffen sind oder ob die Übung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden soll, wurden zunächst nicht genannt.
Die amphibische Landungsübung „Ssangyong“ gehört zu den größeren gemeinsamen Manövern der beiden Verbündeten und dient der Vorbereitung auf mögliche amphibische Operationen im Falle eines Konflikts auf der koreanischen Halbinsel. Die Absage ist ein weiteres Zeichen für die veränderte Sicherheitspolitik der USA unter Präsident Trump, der wiederholt die Kosten der Militärpräsenz in Asien kritisiert und eine stärkere Lastenteilung der Verbündeten gefordert hat.
In Südkorea dürfte die Entscheidung für Unruhe sorgen, da die gemeinsamen Übungen als zentraler Bestandteil der Abschreckung gegenüber Nordkorea gelten. Die Regierung in Seoul hatte zuletzt versucht, das Bündnis mit Washington zu stabilisieren, sieht sich jedoch mit wachsenden Forderungen aus den USA konfrontiert, mehr für die eigene Verteidigung zu tun. Die Absage der Übung könnte auch Auswirkungen auf die weitere sicherheitspolitische Zusammenarbeit haben.