Microsoft überträgt die Entwicklung des nächsten Halo-Hauptteils an Activision. Wie Xbox-Inhaltschef Matt Booty mitteilte, wird dafür bei dem Call-of-Duty-Publisher ein neues, eigens zusammengestelltes Team aufgebaut. Es handelt sich nicht um einen Ableger oder eine Erweiterung der Science-Fiction-Reihe, sondern um den nächsten regulären Eintrag nach Halo Infinite aus dem Jahr 2021, das bei vielen Fans und Kritikern enttäuschte.
Der Schritt ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung des Xbox-Geschäfts, die Microsoft intern als «Reset» bezeichnet. Booty zufolge entsteht die neue Halo-Mannschaft unabhängig von der laufenden Entwicklung und den bestehenden Plänen für Call of Duty. Ob der jährliche Veröffentlichungsrhythmus der Shooter-Reihe dadurch beeinflusst wird oder ob Schlüsselpersonen von Call of Duty zu Halo wechseln, ist bislang offen. Activision-Chef Rob Kostich erklärte, das Ziel sei, das «größte Halo-Spiel aller Zeiten» zu entwickeln. Man wolle ein Spiel abliefern, das «seiner Welt und seinem Vermächtnis würdig ist und dabei dem treu bleibt, was die Spieler ursprünglich daran geliebt haben». Das Team sei bereits zusammengestellt und «einzigartig in Können und Talent».
Konkrete Inhalte, einen Termin oder Plattformen nannte Microsoft nicht. Da die Mannschaft bei Activision nach eigener Darstellung gerade erst aufgebaut wird, dürfte eine Veröffentlichung in weiter Ferne liegen. Xbox hat in der Vergangenheit mehrfach Projekte bestätigt, die erst Jahre später erscheinen sollten – etwa einen neuen StarCraft-Shooter von Blizzard für 2030 oder The Elder Scrolls 6 von Bethesda, das bereits 2018 angekündigt wurde.
Für Halo Studios, den langjährigen Entwickler der Reihe, hat die Entscheidung gravierende Folgen. Laut Booty bleibt nur ein «kleines Team», das die Halo-Community und die noch im Markt befindlichen Spiele weiter betreut. Zahlreiche Beschäftigte verlieren ihre Stellen. Der Schritt markiert eine deutliche Kehrtwende: Erst im Oktober 2024 hatte Microsoft bekannt gegeben, dass das Studio 343 Industries in Halo Studios umbenannt wird und mehrere neue Halo-Spiele mit der Unreal Engine statt der eigenen Slipspace-Engine entstehen sollen. Damals wurde auch die Führungsebene ausgetauscht, nachdem es Berichte über interne Managementprobleme gegeben hatte. Viele Fans verbanden damit die Hoffnung, dass Halo nach dem enttäuschenden Halo Infinite wieder an frühere Stärke anknüpfen könnte.
Das erste und bislang einzige Spiel unter dem Namen Halo Studios war Halo: Campaign Evolved, das im Juli 2026 erschien und laut Berichten kommerziell enttäuschte. Besonders irritierte viele Beobachter, dass das Remake des ersten Halo-Teils keinen Mehrspieler-Modus bot. Angesichts der neuen Ausrichtung von Halo Studios gilt es als wahrscheinlich, dass die dort in Entwicklung befindlichen Projekte eingestellt werden. Dazu zählten einem Bericht zufolge ein neues Live-Service-Spiel nach dem Vorbild von Fortnite sowie Remakes von Halo 2 und Halo 3. Auch die geplante Umstellung auf die Unreal Engine könnte vom Tisch sein, da Activisions Call-of-Duty-Titel auf eigenen Engines basieren. Ein Microsoft-Sprecher wollte die Zukunft von Halo Studios auf Anfrage nicht kommentieren.
Xbox-Chefin Asha Sharma hatte auf der Gamescom betont, die Halo-Reihe bleibe «sehr wichtig» für Xbox, und man verfolge eine langfristige Strategie zur Wiederbelebung. «Es repräsentiert eine sehr wichtige Erinnerungsstruktur und eine Art, wie Menschen spielen wollen», sagte sie. Man werde künftig weitere Neuigkeiten zu Halo mitteilen. Zweifel an einem Erfolg äußerte Marcus Lehto, Mitentwickler der Reihe und Designer von Master Chief. Ein «vollwertiges Halo» würde seiner Einschätzung nach 600 bis 800 Millionen Dollar kosten und vier oder mehr Jahre Entwicklungszeit beanspruchen. Er rechne nicht damit, dass Microsoft so viel Geld und Zeit investiere. Ein großer Konzern sei eine «furchtbar ineffiziente Maschine»; ein kleineres Indie-Team mit erfahrenen Entwicklern und flachen Hierarchien sei womöglich der einzige gangbare Weg zu einem großen Halo. Auf die Nachricht, dass Activision die Reihe übernimmt, reagierte Lehto nach eigenen Worten «schockiert, aber nicht völlig überrascht».