Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) kann im Rennen um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier auf erste Unterstützung aus den Reihen der CDU zählen. Der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt und sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer sprechen sich für Aigner aus. Kretschmer rechnet damit, dass Aigner am Montag als gemeinsame Kandidatin der Union nominiert wird.
Die CSU hatte Aigner im April ins Gespräch gebracht, ein Parteitag legte sie anschließend auf diese Position fest. Damit trägt die Personalie zunächst die Handschrift der Schwesterpartei. Auch SPD und Grüne zeigen nach Angaben aus den Parteien Sympathien für Aigner. Die Unterstützung reicht also über die Union hinaus, auch wenn die entscheidende Weichenstellung innerhalb der CDU erfolgt.
Kanzler Friedrich Merz hat sich dafür ausgesprochen, dass eine Frau als Bundespräsidentin kandidiert. Einen Namen hat er bislang nicht genannt. Vor der Montagssitzung will Merz Gespräche mit den Landesvorsitzenden, der CSU, der SPD und den Grünen führen. Er strebt eine Kandidatin der politischen Mitte an, möglicherweise mit Unterstützung der Grünen.
Die Entscheidung liegt nun maßgeblich bei der CDU und dort vor allem bei den Landesvorsitzenden. Die Wahl durch die Bundesversammlung findet am 30. Januar statt, die Nachfolge Steinmeiers steht damit fest auf dem Kalender. Die Hälfte der Wahlleute kommt aus den Ländern, weshalb die Landesverbände besonderes Gewicht haben. Union und SPD verfügen zusammen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen in dem Gremium, die Bundesversammlung entscheidet also nicht gegen den Willen der beiden großen Parteien.
Als zuletzt aussichtsreichste Alternative zu Aigner gilt die frühere Bundesministerin Julia Klöckner. Daneben wurden weitere CDU-Politikerinnen als mögliche Kandidatinnen genannt, darunter Karin Prien und Ursula von der Leyen. Einzelne CDU-Kreisvorsitzende haben ebenfalls Sympathie für Aigner signalisiert. Ein hochrangiger CDU-Politiker hat sich bisher nicht gegen Aigner ausgesprochen, was ihre Chancen innerhalb der Partei stärkt.
Für die Bundesrepublik wäre eine Bundespräsidentin ein Novum. In den 77 Jahren seit der Gründung hatte das Land zwölf Staatsoberhäupter, alle waren Männer. Keiner von ihnen gehörte der CSU an. Sollte Aigner gewählt werden, würde sie diese doppelte Lücke zugleich schließen: als erste Frau und als erste Politikerin aus der CSU im höchsten Staatsamt.