Die CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt aus Thüringen und Michael Kretschmer aus Sachsen haben sich öffentlich für Ilse Aigner als nächste Bundespräsidentin ausgesprochen. Damit stellen sich die ersten Landesregierungschefs der Union hinter die CSU-Politikerin, die im Frühjahr bereits von ihrer eigenen Partei nominiert wurde.
Aigner ist Präsidentin des Bayerischen Landtags und 61 Jahre alt. Die CSU hatte sich im April für sie entschieden, die Nominierung wurde später auf dem Parteitag in München bestätigt. Auch SPD und Grüne haben nach Angaben aus den Fraktionen Sympathie für Aigner signalisiert. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bislang nicht auf einen Namen festgelegt. Er wünscht sich eine Frau aus der politischen Mitte als Kandidatin, einen konkreten Namen hat er bisher jedoch nicht genannt.
Die Entscheidung fällt am 30. Januar in der Bundesversammlung. Der Termin ergibt sich daraus, dass die Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier endet. Die Bundesversammlung besteht zur Hälfte aus Mitgliedern der Landesparlamente, die andere Hälfte stellen Wahlleute aus den Ländern. CDU, CSU und SPD verfügen zusammen über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Merz will am Montag den Vorschlag den Parteigremien der CDU vorlegen. Die endgültige Entscheidung in der CDU steht allerdings noch aus, und sie liegt maßgeblich bei der Parteiführung.
Merz strebt eine breite Unterstützung über die Parteigrenzen hinweg an, möglicherweise auch aus den Reihen der Grünen. Innerhalb der CDU werden neben Aigner weitere Namen gehandelt. Julia Klöckner gilt als jene Kandidatin mit den besten Chancen. Im Gespräch sind außerdem Karin Prien, Annegret Kramp-Karrenbauer, Ursula von der Leyen und Claudia Claus. Die Auswahl zeigt, dass die Union noch nicht entschieden ist, wer sie im Rennen um das höchste Staatsamt vertreten soll.
Die Bundesrepublik hat bislang noch nie eine Frau als Bundespräsidentin gehabt. Auch ein Mitglied der CSU hat das Amt noch nie bekleidet. Bisherige Staatsoberhäupter kamen sechsmal aus der CDU, dreimal aus der SPD und zweimal aus der FDP. Joachim Gauck war als einziger parteiloser Präsident im Amt. Sollte Aigner gewählt werden, würde sie damit gleich in zwei Hinsichten Geschichte schreiben: als erste Frau und als erste Politikerin der CSU an der Spitze des Staates.