Die US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, soll bei einem Abendessen in Athen angedeutet haben, die Vereinigten Staaten könnten am Sturz ausländischer Regierungen beteiligt sein. Das berichtet das «Wall Street Journal» unter Berufung auf eine anwesende Person. Die Äußerung fiel demnach im März 2026 während eines Treffens mit griechischen und US-amerikanischen Beamten, nur wenige Wochen bevor in Rumänien die Regierung tatsächlich zerbrach.
Nach Darstellung des «Wall Street Journal» geriet Guilfoyle im Laufe des Abends mit dem griechischen Energieminister Stavros Papastavrou aneinander. Mit Blick auf den bevorstehenden Zusammenbruch der rumänischen Regierung soll sie gesagt haben: «Das können wir mit jedem Land machen, das wir wollen. Das können wir auch hier.» Die Diskussion sei hitziger geworden, berichtet die Zeitung weiter. Papastavrou habe entgegnet, dass die USA eine demokratisch gewählte griechische Regierung nicht einfach ersetzen könnten.
Guilfoyles Anwalt widersprach der Darstellung des «Wall Street Journal». Auch die griechische Regierung wies den Bericht zurück. Regierungssprecher Pavlos Marinakis erklärte, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Drohung gegen die Regierung gegeben. Die Vorwürfe stehen damit im Raum, sind aber offiziell bestritten.
In Rumänien brach die Regierung kurze Zeit später tatsächlich zusammen. Im April 2026 entzogen die Sozialdemokraten dem Ministerpräsidenten Illie Bolojan ihr Vertrauen. Am 5. Mai fand im rumänischen Parlament ein Misstrauensantrag gegen die Regierung eine Mehrheit. Seither führt das Kabinett die Geschäfte nur noch geschäftsführend. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Athener Abendessen und dem Sturz in Bukarest ist bislang nicht belegt.
Rumänische Medien berichten aktuell von einem Video, das Guilfoyle mit dem Vorsitzenden der rumänischen Sozialdemokraten, Sorin Grindeanu, dem ehemaligen sozialdemokratischen Energieminister Rumäniens und einem rumänischen Präsidentenberater beim Abendessen zeigen soll. Das Video soll am 31. März 2026 entstanden sein. Grindeanu bestritt in der rumänischen Tageszeitung «Adevarul», mit Guilfoyle über Gaslieferverträge gesprochen zu haben. Auch eine Beteiligung der USA an der Absetzung der rumänischen Regierung dementierte der Sozialdemokrat. Ein Treffen mit der US-Botschafterin an sich bestritt er hingegen nicht. Er habe mit ihr über regionale Energieprojekte und insbesondere über den Vertikalen Gaskorridor gesprochen.
Der Vertikale Gaskorridor ist ein europäisches Infrastrukturprojekt, das unter anderem US-amerikanisches Flüssiggas von Griechenland über Bulgarien und Rumänien bis in die Ukraine und nach Moldau transportieren soll. Guilfoyle bereiste in der Vergangenheit bereits die Balkanstaaten, um das Projekt voranzutreiben. Die Regierung Bolojans hatte sich gegen zusätzliche Importe von Flüssiggas aus den USA gestellt. Inwiefern diese Haltung mit dem Regierungssturz zusammenhängt, ist nicht geklärt.
Die ehemalige Staatsanwältin und Ex-Fox-News-Moderatorin ist eine langjährige Unterstützerin von US-Präsident Donald Trump. Sie war mehrere Jahre mit dessen Sohn Donald Trump Jr. liiert. Nach Bekanntwerden ihrer Trennung Ende 2024 kündigte der damals designierte Präsident Trump an, Guilfoyle als Botschafterin in Griechenland nominieren zu wollen. Der Vorgang dürfte die Debatte über den Einfluss Washingtons auf europäische Regierungen weiter anheizen.