Jeremy Strong hat kein Problem damit, dass seine Schauspielmethode polarisiert. In der «New Yorker Radio Hour» sagte der Darsteller, er verspüre nicht das Bedürfnis, sich bei Kolleginnen und Kollegen zu entschuldigen, die finden könnten, er nehme die Arbeit zu ernst. Strong ist bekannt für seine kompromisslose Hingabe an Rollen, und diese Haltung bringt ihn nun in ein Projekt, das selbst große Aufmerksamkeit erzeugen dürfte.
In Aaron Sorkins neuem Film «The Social Reckoning» verkörpert Strong den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Es ist die Fortsetzung von «The Social Network» aus dem Jahr 2010, in der Jesse Eisenberg den jungen Tech-Milliardär gespielt hatte. Sorkin, der damals das Drehbuch schrieb, führt nun Regie. Dass Eisenberg nicht zurückkehrt, war für Sorkin offenbar keine naheliegende Möglichkeit. Wie er in einem Gespräch erklärte, sei es ihm nie in den Sinn gekommen, dass der Schauspieler nicht wieder in die Rolle schlüpfen würde. Als Grund für die Absage nannte Sorkin unter anderem die Bezahlung, die eher abschreckend gewirkt habe.
Strong wiederum bereitet sich auf seine eigene Weise vor. Der Schauspieler sagte, er habe zeitweise E-Mails an Sorkin geschrieben, als wäre er Zuckerberg selbst. Diese Methode ist Teil seiner Arbeitsweise, mit der er sich Figuren annähert. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass ihn die Frage beschäftigt, wie der echte Zuckerberg auf den Film reagieren wird. Auf die Frage des «New Yorker»-Redakteurs David Remnick, ob ihm Zuckerbergs Meinung wichtig sei, antwortete Strong mit Ja. Genau deshalb habe er den Facebook-Gründer kontaktiert.
Der Austausch mit Zuckerberg ist bislang nicht öffentlich im Detail dokumentiert. Klar ist jedoch, dass Strong die Perspektive der realen Person ernst nimmt. Für einen Film, der sich mit der Geschichte und den Folgen von Facebook befasst, ist das ein bemerkenswerter Ansatz. «The Social Reckoning» setzt sich mit einem Unternehmen auseinander, das die digitale Kommunikation und den öffentlichen Diskurs weltweit verändert hat. Die Erwartungen an die Produktion sind entsprechend hoch, zumal Sorkin mit «The Social Network» bereits ein viel beachtetes Porträt der frühen Facebook-Jahre vorgelegt hat.
Strong steht dabei nicht nur als Hauptdarsteller im Zentrum, sondern auch als Vertreter einer Schauspieltradition, die immer wieder Diskussionen auslöst. Method Acting gilt als intensiv und fordernd, sowohl für die Darstellenden als auch für das Umfeld am Set. Strong hat in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er diesen Weg bewusst wählt. Seine jüngsten Äußerungen bestätigen diese Haltung: Er sehe keinen Grund, sich für seinen Einsatz zu rechtfertigen.
Für das Publikum bedeutet das eine doppelte Spannung. Zum einen geht es um die Frage, wie Sorkin die jüngere Geschichte von Facebook und Zuckerberg erzählt. Zum anderen geht es um die Darstellung selbst: Wie nah kommt Strong an eine Figur heran, die real existiert und deren öffentliches Bild stark umkämpft ist? Die Antwort darauf wird der Film liefern. Bis dahin bleibt die Neugier auf die Reaktion des echten Zuckerberg groß, und Strong hat klargemacht, dass ihn diese Neugier selbst antreibt.