Jagex hat die Entwicklung von RuneScape Reignited eingestellt. Die umstrittene Neuerung für das beliebte Online-Rollenspiel war erst Anfang des Monats angekündigt worden und sollte eine neue Charakterklasse samt eigener Wirtschaft einführen. Nun wurde das Projekt nach heftigen Protesten aus der Community überraschend beendet.
Die Ankündigung von Reignited fiel zeitlich mit der Enthüllung eines vierten RuneScape-Ablegers zusammen, der vorläufig als RuneScape 4 bezeichnet wird. Während RuneScape 4 offenbar weiterhin in Planung ist, stieß Reignited bei langjährigen Spielerinnen und Spielern auf breite Ablehnung. Viele befürchteten eine Zersplitterung der Spielerbasis und eine Verwässerung des etablierten Spielerlebnisses. Die neue Charakterklasse hätte eine separate Ökonomie mit sich gebracht, was die bestehende Wirtschaft des Spiels hätte aus dem Gleichgewicht bringen können.
Jagex verfolgte mit Reignited offenbar das Ziel, neue Zielgruppen zu erschließen und dem Spiel frischen Wind zu verleihen. Die Rechnung ging jedoch nicht auf: Statt neuer Begeisterung entlud sich in Foren und sozialen Medien massive Kritik. Die alteingesessene Community sah in dem Vorhaben einen Angriff auf die Identität des Spiels. Nun zog das Unternehmen die Notbremse und strich das Projekt komplett.
Die Absage von Reignited ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie stark der Einfluss der Spielerschaft auf die Entscheidungen von Entwicklerstudios geworden ist. In der Gaming-Branche häufen sich zuletzt Fälle, in denen Fans erfolgreich gegen unliebsame Änderungen mobil machen. Der Fall erinnert an die anhaltende Debatte über digitale Spiele und die Rechte der Käuferinnen und Käufer.
Erst kürzlich sorgte der demokratische Kongressabgeordnete Ritchie Torres mit einem Gesetzesentwurf für Aufsehen, der sicherstellen soll, dass Gamerinnen und Gamer ihre digitalen Spiele tatsächlich besitzen und nicht nur eine Lizenz erwerben. Der sogenannte Power to the Players Act würde die Federal Trade Commission dazu verpflichten, Regeln aufzustellen, die digitale Spielesammlungen schützen. Zudem sollen Online-Spiele künftig auch offline spielbar bleiben, wenn Server abgeschaltet werden. Torres argumentiert, dass ein Spiel, das jederzeit vom Anbieter abgeschaltet werden kann, kein Kauf, sondern eine als Verkauf getarnte Miete sei.
Der Vorstoß aus den USA zeigt, wie sehr das Verhältnis zwischen Herstellern und Communitys derzeit in Bewegung ist. Auch wenn der Gesetzesentwurf noch nicht verabschiedet ist, unterstreicht er den wachsenden Druck auf die Industrie, transparenter und nutzerfreundlicher zu handeln. Die RuneScape-Community hat in ihrem eigenen Fall nun bewiesen, dass organisierter Widerstand durchaus Wirkung zeigen kann.
Ob und wann Jagex weitere Details zu RuneScape 4 bekannt gibt, ist bislang unklar. Das Unternehmen hat sich zu den genauen Gründen für die Absage von Reignited nicht öffentlich geäußert. Für die treue Fangemeinde dürfte die Entscheidung dennoch eine Erleichterung sein. Sie hatten sich klar gegen eine Neuerung ausgesprochen, die aus ihrer Sicht das Spiel in eine falsche Richtung gelenkt hätte.