US-Präsident Donald Trump will amerikanisches Hackfleisch billiger machen und rudert bei geplanten Strafzöllen auf italienische Pasta zurück. Doch die gravierenden Folgen seiner Wirtschafts- und Finanzpolitik lassen sich vor den Zwischenwahlen im November nicht mehr einfach wegwischen. Das wird derzeit an einem typisch amerikanischen Produkt deutlich: am Hamburger.
Trump kündigte an, 90 Tage lang zusätzliche Rindfleischmengen aus Argentinien und Brasilien importieren zu wollen – bis zu 300.000 Tonnen, zu einem Preis, der 25 Prozent unter dem Marktniveau liegen soll. Die Wut amerikanischer Farmer ist groß, doch der Präsident nimmt das in Kauf. Er verspricht damit, „den Preis für Hackfleisch für arbeitende amerikanische Familien erheblich zu senken“. Der Hintergrund: Seit seinem Amtsantritt sind die Preise für Rinderhackfleisch um rund 25 Prozent gestiegen, wie aus offiziellen Daten des Bureau of Labor Statistics hervorgeht.
Auch bei Pasta zeigt sich die Nervosität der Regierung. Italienische Nudelhersteller sollten nach dem Willen des US-Handelsministeriums mit extrem hohen Strafzöllen belegt werden, für einen Teil der Unternehmen standen zunächst mehr als 90 Prozent im Raum. Aus Sorge um die eigenen Wähler wurde offenbar schnell umgesteuert: Die Strafzölle fallen nun deutlich niedriger aus, verteuern die beliebte Ware aus Italien aber weiterhin spürbar.
Hackfleisch und Nudeln sind zwei Produkte, die von derselben politischen Nervosität erzählen, die in der Trump-Regierung vorherrscht. Denn nicht nur die Benzinpreise, sondern vor allem die Lebensmittelpreise im Supermarkt werden vor den Zwischenwahlen zur politischen Gefahr. „Affordability“ lautet das Stichwort – die Frage, ob sich die Amerikaner ihr Leben noch leisten können. Längst ist dies das zentrale Thema der Demokraten.
Das eigentliche Warnsignal kommt jedoch von der Wall Street. Der Markt für US-Staatsanleihen, über den die USA ihre immensen Staatsschulden finanzieren, sendet ein heftiges Alarmsignal. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen ist auf mehr als 4,8 Prozent gestiegen – der höchste Stand seit November 2023. Weltweit steigen die Renditen: In Deutschland lag die zehnjährige Bundesanleihe zuletzt bei rund 3,4 Prozent, in Japan überschritt sie erstmals seit drei Jahrzehnten die Marke von drei Prozent. Für Trump und die Amerikaner ist diese Entwicklung besonders problematisch.
Trump hat Amerika in seiner Antrittsrede ein „Golden Age“, ein goldenes Zeitalter, versprochen: mehr Wachstum, mehr heimische Produktion, weniger Regulierung und niedrigere Steuern. Doch all das muss finanziert werden. Inzwischen sitzen die USA auf mehr als 40 Billionen Dollar Staatsschulden, Tendenz steigend. Die von Trump versprochenen Einsparungen durch das „Department of Government Efficiency“ (DOGE) haben daran wenig geändert.
Die massiven Zölle, die der Präsident einführte, sollen die amerikanische Produktion schützen und Einnahmen für die Staatskasse schaffen. Doch sie verteuern vor allem importierte Waren und erzeugen zusätzlichen Inflationsdruck. Für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist das eine denkbar ungünstige Kombination: Der Staat macht immer mehr Schulden, während die Inflation weiter steigt. Die für die Regierung wünschenswerten Zinssenkungen werden dadurch schwieriger.
Hinzu kommt der kostspielige Konflikt im Iran. Der Krieg treibt nicht nur die Schulden weiter nach oben, sondern auch die Energiepreise. Teureres Öl bedeutet für die Wirtschaft weiteren Inflationsdruck. Für die Fed könnte das heißen: die Zinsen länger hochzuhalten oder sie im schlimmsten Fall sogar wieder anzuheben.
Damit beginnt ein gefährlicher Kreislauf: Mehr Defizit bedeutet, dass der Staat mehr Anleihen verkaufen muss. Mehr Inflation bedeutet, dass die Notenbank die Zinsen nicht einfach senken kann. Höhere Zinsen bedeuten, dass Anleger höhere Renditen für US-Staatsanleihen verlangen. Höhere Renditen bedeuten höhere Zinskosten für den Staat – und höhere Zinskosten vergrößern wiederum das Defizit.
Darin liegt die brisante Verbindung zwischen der Wall Street und der sogenannten Main Street, dem „kleinen Mann von der Straße“. Wenn die Renditen steigen, wird nicht nur die Finanzierung des Staates teurer. Auch Hypotheken für Häuser und Wohnungen, Unternehmenskredite und Autokredite werden teurer – und damit wieder das Leben der Amerikaner. Steigende Renditen für Staatsanleihen sind deshalb kein abstraktes Börsenproblem. Der Anleihemarkt lässt sich zudem nicht einfach mit politischen Versprechen beruhigen. Trumps Finanzminister Scott Bessent argumentiert zwar, ein Wirtschaftsboom werde die Lage entschärfen, doch die Märkte zeigen sich bislang skeptisch.