SpaceX hat an einem einzigen Tag drei Orbitalmissionen von drei verschiedenen Startplätzen in Florida und Kalifornien absolviert und dabei zum ersten Mal vier Booster innerhalb eines Tages geborgen. Die Einsätze folgten innerhalb von weniger als 13 Stunden aufeinander und umfassten eine bemannte Mission zur Internationalen Raumstation, einen Rideshare-Flug mit 130 Nutzlasten sowie einen klassifizierten Satellitenstart für die US-Aufklärungsbehörde NRO.
Die Abfolge begann um 17.10 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit der Mission Crew-13 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral. An Bord der Dragon-Kapsel namens Grace reisten die NASA-Astronauten Jessica Watkins als Kommandantin und Luke Delaney als Pilot sowie der kanadische Astronaut Joshua Kutryk und der Roskosmos-Kosmonaut Sergey Teteryatnikov. Die Kapsel dockte nach sieben Stunden und 55 Minuten an das Harmony-Modul der ISS an. Nach Angaben der NASA handelt es sich um den schnellsten Flug einer US-Raumkapsel zur Station in der Geschichte der ISS. Die Mission war ursprünglich für den 12. September geplant, musste aber wegen eines Oxidationsmittellecks im Antriebssystem der Kapsel verschoben werden. Die vier Raumfahrer sollen rund sechs Monate an Bord bleiben und unter anderem Gewebe aus menschlichen Stammzellen züchten, ein nahezu autonomes Pflanzensystem testen und die Gesundheit von Astronauten in der Mikrogravitation untersuchen. Nach einer kurzen Übergabe kehrt die Crew-12 zur Erde zurück, zu der auch die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot gehört.
Wenige Stunden später startete um 20.32 Uhr die Mission Transporter-18 von der Vandenberg-Basis in Kalifornien. Bei diesem Rideshare-Flug verteilt ein einziger Falcon 9 seine Kapazität auf zahlreiche Kunden, die keinen eigenen Raketenstart finanzieren können oder wollen. Zu den 130 Nutzlasten zählten drei kleine, von der NASA unterstützte Satelliten, die neue Antriebssysteme erproben, die Verteilung von Staub und hochenergetischer Strahlung in Galaxien untersuchen und inaktive Satelliten inspizieren sollen. Letzteres übernimmt das Fahrzeug Otter von Starfish Space, das sich bis zu vier außer Betrieb befindlichen US-Satelliten nähern und deren Zustand analysieren soll. Die auffälligste Nutzlast war der erste Prototyp des Projekts Suncatcher, mit dem Google prüft, ob künftig KI-Infrastruktur im Weltraum sinnvoll betrieben werden kann. Der gemeinsam mit Planet gebaute Satellit trägt vier TPU-Prozessoren von Google. Das Unternehmen hat bereits Kontakt aufgenommen und erklärt, das System arbeite wie vorgesehen. In den kommenden Wochen soll gemessen werden, wie die Chips Strahlung, extreme Temperaturschwankungen und die physische Belastung des Starts verkraften. Hintergrund ist, dass Solarpaneele im niedrigen Erdorbit nahezu ständig Sonnenlicht empfangen und bis zu achtmal mehr Energie liefern könnten als auf der Erde. Der Prototyp dient jedoch nur dem Nachweis, ob die Hardware den Bedingungen standhält.
Den Abschluss bildete um 5.54 Uhr am 2. Oktober der Start eines Falcon Heavy vom Komplex 39A des Kennedy Space Center. Die Mission NROL-97 war die erste, bei der die NRO eine Nutzlast dem Falcon Heavy anvertraute, dem leistungsstärksten derzeit operativ eingesetzten Raketentyp von SpaceX. Es war der 14. Flug dieser Konfiguration. Die Nutzlast ist klassifiziert; weder die Behörde noch SpaceX haben Funktion, Zielorbit oder Fähigkeiten des Satelliten genannt. Die Übertragung endete auf Wunsch der NRO kurz nach der Rückkehr der beiden Seitenbooster, die weniger als acht Minuten nach dem Abheben auf den Landezonen LZ-1 und LZ-2 in Cape Canaveral aufsetzten. Für diese Mission reaktivierte SpaceX die Landezone LZ-1, die zuvor durch die neue LZ-40 neben der Startrampe 40 ersetzt worden war. Am Morgen hatte dort bereits der Booster der Crew-13 aufgesetzt. Auch die Nutzlastverkleidung wurde wiederverwendet: Nach Angaben der NRO war sie bereits bei der Mission NROL-95 im Juli im Einsatz.
Die vier Bergungen sind der am wenigsten sichtbare, für das Geschäftsmodell aber wohl wichtigste Teil des Tages. Der Booster der Crew-13 flog zum dritten Mal, nach einer Starlink-Mission und der Crew-12 im Februar. Der Booster von Transporter-18 absolvierte seinen 25. Flug. Jahrzehntelang musste für jeden Start eine neue Rakete gebaut werden, die nach dem Abheben verloren war. Die Wiederverwendung der ersten Stufe macht jede einzelne Mission nicht billig, erlaubt es aber, die Fertigungskosten über viele Flüge zu verteilen und vor allem häufiger zu starten.