In der CDU nimmt die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) an Tempo auf. Überraschend hat nun die Vorsitzende der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Ines Claus, Interesse an dem Amt bekundet. Auch in der Union kam dieser Schritt für viele unerwartet.
Claus bezeichnete es in der »Rheinischen Post« als »große Ehre«, im Zusammenhang mit einer solchen Kandidatur genannt worden zu sein. Die 49-Jährige, die zugleich stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende ist, betonte zugleich, dass nun ein geordnetes Verfahren eingehalten werden müsse. Innerhalb der Partei seien die Ministerpräsidenten, die Führungsgremien von CDU und CSU sowie der Koalitionspartner einzubeziehen.
Die Zeitung hatte unter Berufung auf hochrangige CDU-Kreise berichtet, Claus sei die Favoritin von Kanzler Friedrich Merz für das höchste Staatsamt. Aus dem Umfeld des Kanzlers wurde dies jedoch klar dementiert. Merz habe sich weder festgelegt noch einen Vorschlag unterbreitet, hieß es.
Der Vorstoß stößt in Teilen der Partei auf Kritik. Maßgebliche CDU-Politiker äußerten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur Vorbehalte oder wiesen die Idee sogar als absurd zurück. Claus fehle jedes bundespolitische Profil, eine Kandidatur werde schiefgehen, hieß es. Aus der Unionsfraktion im Bundestag wurde zudem an die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erinnert, die parteiübergreifend großes Ansehen genieße und ebenfalls bestens geeignet wäre. Auch in der CSU stieß die Nennung von Claus zunächst auf wenig Begeisterung; von einem »Testballon« war die Rede.
Claus ist verheiratet, dreifache Mutter und katholisch. Seit April 2020 führt sie die CDU-Landtagsfraktion in Hessen, seit 2026 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Bundes-CDU.
Die Union beansprucht als stärkste Fraktion im Bundestag ein Vorschlagsrecht für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten. Bisher hatte bislang nur die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner öffentlich einen Vorschlag aus den Reihen der CSU erhalten. CSU-Chef Markus Söder hatte sich wiederholt für Aigner ausgesprochen, und auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch stellte sich als erster führender Sozialdemokrat eindeutig hinter sie. Merz hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) wollte sich nicht auf Aigner als Kandidatin festlegen. Er verwies stattdessen auf mehrere geeignete Frauen in der CDU, darunter Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien und Annegret Kramp-Karrenbauer. Es spreche viel dafür, dass der oder die Nachfolgerin selbst Politikerfahrung habe und die politischen Prozesse im Land gut verstehe. Ein Jurist müsse es hingegen nicht zwingend sein.
Die endgültige Klärung soll nach der Rückkehr von Merz aus Asien erfolgen. Am 9. November befassen sich die Führungsgremien der CDU mit der Personalfrage. Danach dürften weitere Gespräche mit der CSU, der SPD und möglicherweise auch den Grünen folgen. Die Entscheidung soll noch im November fallen. Die Wahl des neuen Staatsoberhaupts findet am 30. Januar 2027 in der Bundesversammlung statt. CDU, CSU und SPD verfügen dort über eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. Die Union strebt jedoch eine möglichst breite Zustimmung über die Regierungsparteien hinaus an.