Chris Wilson, ehemaliger Co-Gründer des Path-of-Exile-Entwicklers Grinding Gear Games, hat sich in einem am Wochenende veröffentlichten Video ausführlich mit der Ankündigung von Diablo 5 auseinandergesetzt. Der ARPG-Veteran, der Grinding Gear Games 2023 verlassen hat, zeigte sich darin vorsichtig optimistisch, dass Blizzards nächster Ableger der Diablo-Reihe die richtige Richtung einschlägt. Als Grund nennt er den offensichtlichen Einfluss des wegweisenden Diablo 2 auf das kommende Spiel.
Besonders angetan zeigt sich Wilson vom neuen Charakter- und Inventarbildschirm. Gegenstände besitzen dort wieder unterschiedliche Größen, und auch die Werte orientieren sich stärker am Vorbild Diablo 2. Einige moderne Designentscheidungen stoßen bei ihm jedoch auf Ablehnung – etwa eine flache DPS-Angabe auf Waffen. Dennoch räumt Wilson ein, dass Diablo 5 nicht vollständig auf die bisweilen sperrige Gestaltung von Diablo 2 setzen könne. «Es ist die größere Frage, ob sie es durchziehen und riskieren, das moderne Publikum zu verprellen, das sie über die letzten Jahrzehnte aufgebaut haben», sagte er. «Ich denke nicht, dass sie das unbedingt sollten. Egoistisch wäre es großartig, wenn sie eine neue Version von Diablo 2 nur für mich machen würden, aber ich glaube nicht, dass sie eine Investition dieser Größe für ein Nischenpublikum rechtfertigen könnten.»
Stattdessen erwartet Wilson, dass Diablo 5 versuchen wird, das Beste aus beiden Welten zu vereinen – «ein modernes ARPG, das stark von Diablo 2 borgen wird, statt einer echten Rückkehr zur Designphilosophie von Diablo 2». Obwohl Blizzard den Release für Frühjahr 2029 angekündigt hat, rechnet Wilson fest mit einer Verschiebung. «Meine beste Vermutung ist, dass das Spiel nicht zum Frühjahr 2029 fertig sein wird, aber das ist in Ordnung. Verspätungen passieren und sind in dieser Branche normal», so Wilson. Er habe unzählige Male Path-of-Exile-Ligen verschieben müssen, und die Spieler hätten es akzeptiert. Eine Verschiebung würde Diablo 4 zudem mehr Raum zum Atmen geben.
Wie viele Spieler sieht Wilson in der frühen Ankündigung von Diablo 5 ein Zeichen dafür, dass Blizzard Diablo 4 aufgibt – auch wenn das Unternehmen dies in einem Interview mit PC Gamer bestritten hat. Stattdessen will Blizzard die Geschichte mit neuen Seasons weiterentwickeln. Die aktuelle Season 15 ist eine Feier zum 30-jährigen Jubiläum der Franchise. Wilson zeigt sich davon wenig begeistert: «Ehrlich gesagt wirkt dieses Event auf mich ziemlich geschmacklos», sagte er, weil «Diablo 4 langsam darauf aufbaute, dass man alle Prime Evils bekämpfen kann, und dann führen sie alle auf einmal in einem Special Event ein, das nicht wirklich mit der Geschichte der Spiele verbunden ist».
Unabhängig davon werden in den kommenden anderthalb Jahren weitere Seasons für Diablo 4 erscheinen. Blizzard wird zudem die Amazonen-Klasse aus Diablo 2 in einem DLC-Paket Anfang nächsten Jahres hinzufügen. Für Diablo 5 hat das Unternehmen bereits einige Klassen enthüllt und angedeutet, dass das Spiel zum Start über mehr spielbare Klassen verfügen wird als jeder vorherige Diablo-Teil. Wilson bleibt trotz aller Kritikpunkte bei seiner vorsichtigen Zuversicht: Die Rückbesinnung auf Diablo-2-Elemente sei «ein Schritt in die richtige Richtung».