Das neue Pokémon-Trading-Card-Set zum 30. Jubiläum ist ab sofort im Handel erhältlich und hat schon am ersten Tag für lange Schlangen und hitzige Diskussionen gesorgt. In Großbritannien und Frankreich campierten Fans bereits in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor Geschäften, um sich eines der begehrten Pakete zu sichern. Auch in den USA begannen die Warteschlangen in einigen Regionen schon mehrere Tage vor dem offiziellen Start.
Der Ansturm hat mehrere Gründe. Das Set enthält nostalgische Neuauflagen beliebter Karten aus der Frühzeit der Marke sowie einige extrem seltene neue Designs. Hinzu kommt der lukrative Wiederverkaufsmarkt: Ungeöffnete Boxen und seltene Einzelkarten erzielen online teils hohe Preise, was Spekulanten und professionelle Aufkäufer anlockt. Schon bei früheren Veröffentlichungen war die Nachfrage größer als das Angebot, doch diesmal ist die Aufmerksamkeit besonders groß.
Einige Händler nutzen die Knappheit für deutliche Preisaufschläge. So verkauft GameStop die Elite-Trainer-Box, die offiziell 49,99 US-Dollar kostet, für 169,99 US-Dollar. Bei Dick's Sporting Goods kostet dasselbe Paket 119,99 US-Dollar — also mehr als das Doppelte des regulären Preises. Solche Praktiken hatte GameStop bereits bei früheren Pokémon-Veröffentlichungen angewandt.
Um den Weiterverkauf einzudämmen, greifen manche Geschäfte zu ungewöhnlichen Mitteln. Einige begrenzen die Anzahl der pro Person erhältlichen Artikel, andere schneiden sogar die Verpackungen auf, um den Wiederverkaufswert zu zerstören. In Japan setzen manche Läden auf Gesichtserkennung, um Mehrfachkäufe zu verhindern. Bislang scheinen diese Maßnahmen die Nachfrage kaum zu dämpfen.
Für Gesprächsstoff sorgt auch die Praxis der sogenannten «Geisterstühle». Dabei stellen Fans Tage im Voraus leere Campingstühle oder Klappstühle in die Warteschlange, um sich einen Platz zu reservieren, ohne selbst vor Ort zu sein. Das spart den Betreffenden unter Umständen mehrere unangenehme Nächte im Freien, wirkt auf andere, die erst am Verkaufstag eintreffen, jedoch unfair. Wer persönlich anreist und dann eine Reihe leerer Stühle vorfindet, fragt sich zu Recht, ob derjenige, der den Stuhl platziert hat, Vorrang genießen soll. Solche Situationen führen erfahrungsgemäß zu Streitigkeiten, besonders wenn die Wartenden bereits eine kalte Nacht hinter sich haben.
Die Pokémon Company hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben zehn Milliarden Karten gedruckt, konnte die Nachfrage aber offenbar nicht vollständig decken. Neue Veröffentlichungen sind regelmäßig schnell ausverkauft. Die Karten sind in den vergangenen Jahren zu einem Hauptziel für Scalper und Diebe geworden, da ihr Marktwert stark gestiegen ist. Ein millionenschwerer Sammler äußerte kürzlich sogar die Vermutung, dass Pokémon-Karten nach einem globalen Zusammenbruch als Währung dienen könnten.
Für Sammler, die jetzt einsteigen wollen, bleibt die Lage angespannt. Wer nicht bereits in der Nacht angestanden hat, dürfte es schwer haben, noch ein Paket zum regulären Preis zu ergattern. Die langen Schlangen und die Preisaufschläge zeigen, wie sehr die Marke nach 30 Jahren noch polarisiert — und wie schwierig es für Hersteller und Handel bleibt, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.