Die Stimmung im deutschen Handwerk ist nach Einschätzung von Zentralverbandspräsident Jörg Dittrich so schlecht wie seit der Pandemie nicht mehr. Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach Dittrich von einer „besorgniserregenden Lage“ und warnte vor einer wachsenden Kluft zwischen Handwerkern und Verbrauchern. „Ich fürchte, dass sich der Verbraucher den Handwerker nicht mehr leisten kann“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).
Dittrich beklagte zugleich, dass die Bundesregierung neue Belastungen für die Betriebe schaffe, während die Auftragslage vielerorts schwächele. Die Stimmung in den meisten Betrieben sei schlecht, betonte der Verbandschef. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben, die zuletzt eine deutliche Eintrübung der Geschäftserwartungen signalisiert hatten. Vor allem kleinere Handwerksbetriebe litten unter gestiegenen Kosten für Material, Energie und Personal, ohne diese vollständig an die Kunden weitergeben zu können.
Als zentrales Zukunftsthema nannte Dittrich die Ausbildung des Nachwuchses. „Die Zukunft besteht aus Ausbildung“, sagte er mit Blick auf den Fachkräftemangel, der viele Gewerke seit Jahren belastet. Ohne ausreichend junge Menschen in den Berufen drohe die Versorgung der Bevölkerung mit handwerklichen Dienstleistungen weiter zurückzugehen. Der Verband fordert daher unter anderem eine stärkere Förderung der beruflichen Bildung und weniger bürokratische Hürden bei der Einstellung von Auszubildenden.
Die wirtschaftliche Lage vieler Handwerksbetriebe hat sich nach Angaben des ZDH in den vergangenen Monaten spürbar verschlechtert. Neben der schwachen Baukonjunktur machen den Firmen auch die Zurückhaltung der privaten Haushalte bei größeren Investitionen zu schaffen. Höhere Zinsen und die allgemeine Preissteigerung hätten dazu geführt, dass viele geplante Aufträge verschoben oder ganz gestrichen würden, so Dittrich. Gleichzeitig stiegen die Lohnkosten, was die Kalkulation für die Betriebe zunehmend schwieriger mache.
Der Handwerkspräsident forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen für die Betriebe spürbar zu verbessern. Notwendig seien Entlastungen bei den Energiekosten, eine Reform der Bürokratie und verlässliche Perspektiven für die Betriebe. Nur so könne das Handwerk seine Rolle als Rückgrat der deutschen Wirtschaft und als wichtiger Arbeitgeber in den Regionen behaupten. Die kommenden Monate würden zeigen, ob die politischen Signale aus Berlin ausreichten, um die Stimmung in den Betrieben wieder zu heben.