Die Stimmung im deutschen Handwerk ist so schlecht wie seit der Corona-Pandemie nicht mehr. Das hat Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), in einem Interview deutlich gemacht. „Die Lage ist besorgniserregend“, sagte Dittrich. Besonders beunruhigt ihn die wirtschaftliche Entwicklung für die Kundinnen und Kunden: „Ich fürchte, dass sich der Verbraucher den Handwerker nicht mehr leisten kann.“
Dittrich beklagte, dass die Stimmung in den meisten der rund eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland schlecht sei. Als Grund nannte er neben den hohen Kosten für Material und Energie auch die allgemeine Konjunkturflaute. Hinzu kämen neue Belastungen, die von der Politik auf den Weg gebracht würden. Der Handwerkspräsident warnte davor, dass die Betriebe diese zusätzlichen Kosten nicht mehr auffangen könnten. Am Ende würden die Preise für Handwerkerleistungen weiter steigen, was viele Verbraucher vor finanzielle Probleme stelle.
Die Lage sei vergleichbar mit der Stimmung während der Pandemie, als viele Betriebe um ihre Existenz fürchten mussten. Dittrich forderte die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für das Handwerk zu verbessern. Nötig seien Planungssicherheit und weniger Bürokratie, damit die Betriebe wieder durchatmen könnten. Auch die Nachwuchssicherung bleibe ein zentrales Thema: „Die Zukunft besteht aus Ausbildung“, betonte der ZDH-Präsident. Ohne ausreichend junge Fachkräfte werde es schwer, die anstehenden Aufgaben etwa bei der Energiewende und der Modernisierung von Gebäuden zu bewältigen.
Das Handwerk gilt als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Die Betriebe bilden einen Großteil der Auszubildenden aus und sind gerade in ländlichen Regionen wie Südbaden oft der größte Arbeitgeber vor Ort. Steigende Preise für Handwerkerleistungen treffen nicht nur private Haushalte, sondern auch Kommunen, die Sanierungen und Bauprojekte vergeben. Wenn sich Verbraucher Reparaturen oder Modernisierungen nicht mehr leisten könnten, habe das auch Folgen für die Auftragslage der Betriebe selbst, so Dittrich. Er appellierte an die Politik, die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Handwerk zu entlasten, statt es mit neuen Auflagen zu belasten.