Im Mordprozess um den Tod einer Mutter von Drillingen in Wallenhorst bei Osnabrück hat der angeklagte Ehemann ein Geständnis abgelegt. Der Mann räumte vor dem Landgericht Osnabrück ein, seine Frau getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 38-Jährige mit elf Messerstichen getötet zu haben. Die Tat sorgt in der Region für Entsetzen, weil der Angeklagte in seinem Umfeld bis zuletzt als fürsorglicher Familienvater galt.
Nach Angaben von NDR und Neuer Osnabrücker Zeitung schilderte der Angeklagte den Ablauf der Tat in der gemeinsamen Wohnung. Er habe „weitergemacht, bis sie zusammensackte“, soll er vor Gericht ausgesagt haben. Die Verteidigung kündigte an, das Geschehen im Kontext einer seit längerem belasteten Ehe einordnen zu wollen. Das Gericht erwartet in den kommenden Verhandlungstagen weitere Zeugenaussagen, darunter von Angehörigen und Einsatzkräften.
Die getötete Frau hinterlässt dreijährige Drillinge. Das Jugendamt hat die Betreuung der Kinder übernommen. Nachbarn in dem Wohngebiet, in dem die Familie lebte, zeigten sich tief betroffen. In ersten Reaktionen beschrieben sie die Familie als unauffällig und freundlich. Der Angeklagte galt in der Nachbarschaft als hilfsbereit und engagiert, mehrere Anwohner bezeichneten ihn als „liebevoll“ und „sympathisch“. Umso größer sei nun das Unverständnis über die Tat.
Die Polizei war am Tattag zu der Wohnung gerufen worden, nachdem ein Notruf eingegangen war. Rettungskräfte konnten für die Frau nicht mehr helfen. Der Ehemann wurde noch am selben Tag vorläufig festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittler sicherten am Tatort umfangreiche Spuren, ein Messer wurde als mutmaßliches Tatwerkzeug beschlagnahmt. Ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten wurde angeordnet und soll im Laufe des Verfahrens vorgestellt werden.
Der Fall hat in Wallenhorst und im Landkreis Osnabrück eine Debatte über häusliche Gewalt ausgelöst. Die örtliche Gleichstellungsbeauftragte verwies auf Beratungsangebote für Betroffene und forderte mehr Aufmerksamkeit für Warnsignale in Partnerschaften. Auch die Kirchen in der Gemeinde kündigten an, der Familie und den Hinterbliebenen Unterstützung anzubieten. Ein Nachbarschaftsverein sammelt Spenden für die Zukunft der drei Kinder.
Der Prozess wird vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück geführt. Die Kammer hat mehrere Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird frühestens im Herbst erwartet. Sollte der Angeklagte wegen Totschlags verurteilt werden, drohen ihm mehrere Jahre Haft. Kommt das Gericht zu der Überzeugung, dass die Tat heimtückisch war, wäre auch eine Verurteilung wegen Mordes möglich. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage entsprechend auf Mord gestützt.
Der Angeklagte selbst äußerte sich bislang nur zu den unmittelbaren Tatumständen. Zu seinem Motiv machte er vorerst keine abschließenden Angaben. Die Verteidigung kündigte an, im weiteren Verlauf eine ausführliche Einlassung zur Vorgeschichte der Tat abgeben zu wollen. Dabei soll es auch um psychische Belastungen und Spannungen in der Ehe gehen. Das Gericht will zudem klären, ob der Mann zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol oder Medikamenten stand.
Der Fall erinnert an andere Gewalttaten in der Region, bei denen Frauen in ihrem eigenen Zuhause getötet wurden. Laut Polizeistatistik verzeichnet das Land Niedersachsen jedes Jahr mehrere solcher Taten. Beratungsstellen fordern deshalb einen Ausbau von Schutzmaßnahmen und mehr Personal in der Gefahrenabwehr. Die Gemeinde Wallenhorst kündigte an, das Thema bei der nächsten Ratssitzung aufgreifen zu wollen.
Für die drei Kinder der Getöteten suchen Behörden derzeit eine dauerhafte Lösung. Ob sie bei Verwandten unterkommen können oder in einer Pflegefamilie betreut werden, ist noch offen. Das Jugendamt steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit der Familie. Auch eine therapeutische Begleitung der Kinder wird geprüft. Die Gemeinde hat eine Anlaufstelle für Fragen aus der Nachbarschaft eingerichtet.