US-Außenminister Marco Rubio hat der Ukraine vorgeworfen, bei Angriffen auf die russische Ölindustrie auch Schiffe und Ölladungen getroffen zu haben, die mit den USA in Verbindung stehen. In den vergangenen Monaten habe es mehrere solcher Fälle gegeben, sagte Rubio dem US-Fernsehsender Fox News. «Vielleicht nicht absichtlich, aber trotzdem von der Ukraine getroffen. Und das muss angesprochen werden. Wir können das nicht zulassen», so der Außenminister. Details nannte er nicht.
Hintergrund dürfte der russische Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer sein, über den nicht nur Öl aus Russland, sondern auch aus Kasachstan exportiert wird. Das kasachische Öl erreicht den Hafen über die Caspian Pipeline Consortium (CPC), an der der US-Ölkonzern Chevron beteiligt ist. Ukrainische Drohnenangriffe haben die Pipeline und die Verladeanlagen bereits mehrfach getroffen. Im Juli wurde Medienberichten zufolge kurz vor Noworossijsk ein Tanker beschädigt, der im Auftrag von ExxonMobil fuhr.
Unterdessen gehen die Kämpfe unvermindert weiter. In der russischen Region Samara an der Wolga haben ukrainische Drohnen nach Behördenangaben zivile Ziele getroffen. Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew teilte auf Telegram mit, die Luftabwehr habe in der Nacht zwar Dutzende Drohnen abgeschossen, dennoch seien Privathäuser und Autos beschädigt worden. In der Region befinden sich wichtige Industrieanlagen wie Ölraffinerien. Der Bürgermeister der Stadt Samara, Iwan Noskow, erklärte, ein Angriff auf die mehr als 1.000 Kilometer südöstlich von Moskau gelegene Stadt sei abgewehrt worden. Sowohl die Ukraine als auch Russland weisen Vorwürfe zurück, gezielt zivile Objekte ins Visier zu nehmen.
Bei einem nächtlichen russischen Angriff auf die südostukrainische Stadt Dnipro sind nach Angaben von Gouverneur Oleksandr Handscha drei Menschen getötet worden. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die eigenen Streitkräfte hätten einen massiven Schlag gegen Ziele in der Ukraine ausgeführt. Dabei seien Industrie- und Militäranlagen, der Energie- und Treibstoffsektor sowie die Hafeninfrastruktur und Militärschiffe getroffen worden.
In der EU sorgt derweil ein Streit über Sanktionen gegen russische Oligarchen für Verzögerungen. Die unter dem Druck einzelner EU-Staaten geplante Aufhebung von Sanktionen gegen Alischer Usmanow und Michail Fridman konnte am Abend nicht wie vorgesehen beschlossen werden. Ein EU-Diplomat teilte mit, die erforderliche Einstimmigkeit im schriftlichen Verfahren sei nicht zustande gekommen. An diesem Dienstagmorgen sollen die Botschafter der Mitgliedstaaten erneut beraten.
Für die EU-Staaten drängt die Zeit, denn gleichzeitig mit der möglichen Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Fridman soll auch die Verlängerung der Sanktionen gegen rund 3.000 andere Personen, Einrichtungen und Unternehmen beschlossen werden. Diese laufen sonst in der Nacht zum Mittwoch aus. Allen Betroffenen wird vorgeworfen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen oder von der Politik des Kremls zu profitieren.
Lettland sperrt sich gegen die geplante Aufhebung. Außenministerin Baiba Braze schrieb auf X, die Haltung der lettischen Regierung sei unverändert: «Die EU-Sanktionen gegen Russland sollten verschärft und nicht abgeschwächt werden. Lettland kann daher dem vorgelegten Vorschlag nicht zustimmen.» Regierungschef Andris Kulbergs betonte, die Verlängerung der Sanktionen um 36 Monate wäre der richtige Schritt, der Preis dafür dürfe jedoch nicht die Streichung beider Personen von der Sanktionsliste sein. Er kündigte an, gemeinsam mit Braze in Brüssel und Paris an einer Lösung zu arbeiten, und berief eine Dringlichkeitssitzung der Regierung in Riga ein.
Der Kreml räumte unterdessen kritische Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in der russisch kontrollierten ukrainischen Stadt Oleschky ein. Das russische Militär arbeite an einer Lösung, teilte die Regierung in Moskau mit. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf den russischen Truppen dagegen vor, humanitäre Hilfe zu blockieren und nicht auf Evakuierungsanfragen zu reagieren. In der Stadt im Gebiet Cherson «sterben 6.000 Einwohner, darunter 200 Kinder, an Hunger und Kälte», sagte er in einem Video auf Facebook. Die ukrainische Delegation wolle das Thema bei der UN-Vollversammlung in New York auf höchster Ebene ansprechen, um internationalen Druck auf Russland für einen humanitären Zugang auszuüben.