Monte dei Paschi di Siena wehrt sich gegen den Eindruck, die Zukunft der Bank sei bereits entschieden. Vorstandschef Luigi Lovaglio hat deutlich gemacht, dass MPS strategische Möglichkeiten prüft und die eigene Integrität sowie Unabhängigkeit bewahren will. Hintergrund ist das rund 30,6 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot von Intesa Sanpaolo.
Intesa kündigte die Offerte am 8. Juni an. Die Aktionäre von MPS sollen für jeweils zehn Aktien 16 neue Intesa-Aktien erhalten, ergänzt um einen Euro in bar je MPS-Aktie. Nach der damaligen Berechnung entsprach das einem Aufschlag von 12,5 Prozent auf den Schlusskurs vom 5. Juni. Intesa wirbt mit Größe, Ertragssynergien und einer stärkeren Position im europäischen Vermögensmanagement und Versicherungsgeschäft.
MPS konzentriert die Gegenargumente inzwischen auf zwei Punkte: den Wert eines eigenständigen Instituts und die konkreten Folgen der geplanten Transaktion. Denn Intesa möchte MPS nicht vollständig im bisherigen Zuschnitt übernehmen. Um kartellrechtliche Bedenken zu entschärfen, ist ein großer Verkauf an Unipol Assicurazioni vorgesehen.
Eine Bankeinheit mit der Marke MPS, etwa 635 Filialen und einem Großteil der zentralen Strukturen soll an Unipol gehen. Dafür ist ein Preis von ungefähr drei bis 3,5 Milliarden Euro vorgesehen. Intesa würde Mediobanca und etwa 625 MPS-Filialen behalten. Für Kunden und Beschäftigte bedeutet das, dass der historische Name und die operative Struktur künftig nicht vollständig unter einem Dach liegen würden.
Lovaglio verbindet diese geplante Aufteilung mit einer grundsätzlichen Frage nach dem Wettbewerb. Er befürwortet Konsolidierung dort, wo sie Banken stärker macht, warnt aber vor einem Markt, in dem wenige sehr große Gruppen die Vielfalt deutlich reduzieren. Diese Sicht ist für Italien besonders relevant, weil das Land in kurzer Zeit mehrere große Banktransaktionen erlebt hat.
MPS kann seine Position inzwischen mit besseren Zahlen untermauern. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Nettogewinn auf 610,2 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es nach den für den Vergleich angepassten Zahlen 479,4 Millionen Euro. Die harte Kernkapitalquote CET1 verbesserte sich auf 16,3 Prozent. Für das Gesamtjahr hob die Bank die Prognose für den Vorsteuergewinn auf 3,6 Milliarden Euro an.
Damit verfügt das Institut über Spielraum. Der Kapitalpuffer kann für Wachstum, Ausschüttungen oder neue strategische Schritte genutzt werden. Genau dieser Punkt ist in einer Übernahmesituation wichtig: Ein Zielunternehmen kann eine Offerte glaubwürdiger zurückweisen, wenn es den Aktionären einen finanziell belastbaren eigenen Plan vorlegen kann.
Zum Portfolio gehört außerdem ein Anteil von rund 13,3 Prozent am Versicherer Assicurazioni Generali, der über Mediobanca in den MPS-Konzern gelangt ist. Lovaglio stellte klar, dass dieser Anteil wertvoll ist, aber nicht um jeden Preis gehalten werden muss. Weil es Marktinteresse gibt, könnte die Beteiligung auch Teil einer neuen Kapitalstrategie werden.
Ein möglicher Gegenzug über Banco BPM ist zunächst schwieriger geworden. Gespräche über eine Verbindung wurden Anfang August beendet. MPS hält sich dennoch offen, andere Chancen zu prüfen. Damit bleibt Intesa zwar der konkrete Bieter, aber die strategische Debatte ist noch nicht abgeschlossen.
Für deutsche Leser ist der Fall auch deshalb interessant, weil er dieselbe europäische Grundfrage berührt, die bei anderen grenzüberschreitenden Bankprojekten auftaucht: Sind größere Institute automatisch wettbewerbsfähiger, oder entsteht der Preis der Konsolidierung durch weniger Auswahl und stärkere Marktmacht? Die Antwort wird nicht nur von den Banken selbst gegeben, sondern auch von Wettbewerbsbehörden und Aktionären.
Entscheidend wird nun sein, ob Intesa die wirtschaftlichen Vorteile seiner Struktur überzeugend belegen kann. MPS wiederum muss zeigen, dass Unabhängigkeit mehr ist als ein Verweis auf Geschichte. Mit einer CET1-Quote von 16,3 Prozent und steigenden Gewinnen hat die Bank dafür zumindest eine finanzielle Grundlage.