Die britische Polizei hat in der Nacht zum Sonntag fünf Männer nahe dem Militärflugplatz RAF Fairford im Südwesten Englands festgenommen. Sie stehen im Verdacht, gegen das britische Sprengstoffgesetz verstoßen zu haben. Nach Angaben der Polizei der Grafschaft Gloucestershire waren drei verdächtige Fahrzeuge aufgefallen, die in Richtung des Luftwaffenstützpunkts unterwegs waren. In der Ortschaft Whelford, die unmittelbar an die Basis angrenzt, wurde eine größere Gefahrenlage ausgerufen.
Einige Häuser wurden vorsorglich geräumt, die Bewohner brachte man in ein nahe gelegenes Freizeitzentrum. Zudem richtete die Polizei eine Sperrzone ein. Spezialisten der britischen Streitkräfte für Kampfmittelbeseitigung untersuchten mehrere Fahrzeuge. Ob tatsächlich Sprengstoff gefunden wurde, teilten die Behörden zunächst nicht mit. Am Vormittag erklärte die Polizei, sie gehe davon aus, dass die Lage unter Kontrolle sei. Einsatzkräfte arbeiteten gemeinsam mit weiteren Behörden nach bestehenden Notfallplänen. Bewaffnete Polizisten sicherten nach Berichten von Journalisten auch Zufahrten in der Umgebung. Reuters berichtete von rund 30 Einsatzfahrzeugen, darunter Polizei-, Feuerwehr- und Rettungswagen.
RAF Fairford wird von der britischen Royal Air Force betrieben, spielt aber eine wichtige Rolle für die US-Luftwaffe. Nach Angaben der US Air Force befindet sich dort unter anderem das Hauptquartier des 501st Combat Support Wing. Die USA bezeichnen Fairford zudem als ihren bevorzugten vorgeschobenen europäischen Standort für strategische Bomber. Ob der Polizeieinsatz mit dem Stützpunkt zusammenhängt, ist bislang jedoch nicht bekannt. Die Polizei hat eine solche Verbindung nicht bestätigt. «Wir befinden uns in einem frühen Stadium der Ermittlungen», sagte eine Sprecherin. Auch zu einem möglichen Motiv der Festgenommenen machte sie zunächst keine Angaben.
Die US Air Force wollte konkrete Schutzmaßnahmen auf dem Gelände nicht kommentieren. Ihre in Großbritannien stationierten Einheiten seien wachsam und würden die notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Soldaten, Zivilbeschäftigten und deren Familien treffen, erklärte ein Sprecher. Der Standort hat seit Beginn des Iran-Kriegs zusätzlich an militärischer Bedeutung gewonnen. Die britische Regierung erlaubte den USA im März, britische Stützpunkte für bestimmte militärische Operationen gegen iranische Raketenstellungen zu nutzen. Das Verteidigungsministerium erklärte damals, die Einsätze dienten dazu, Raketen zu zerstören, die Staaten und britische Interessen in der Region bedrohten. Kurz nach der Genehmigung landete der erste US-Bomber für diese Operationen in RAF Fairford.
Von Fairford aus wurden anschließend US-Einsätze im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran unterstützt. Im Juli warnte die iranische Revolutionsgarde Großbritannien Medienberichten zufolge davor, US-Bomber von Fairford aus gegen den Iran operieren zu lassen. Stützpunkte, die für Angriffe genutzt würden, könnten demnach als Ziele betrachtet werden. Die britische Regierung erklärte daraufhin, ihre Streitkräfte seien zum Schutz des Landes bereit. Die genauen Hintergründe des nächtlichen Einsatzes und die möglichen Motive der Festgenommenen sind weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.