In Lettland haben am Samstag die Parlamentswahlen begonnen. Sicherheit und Verteidigung sind die wichtigsten Themen für die Wählerinnen und Wähler, gefolgt von wirtschaftlichen Fragen. Trotz Zugewinnen für populistische und Protestparteien wird erwartet, dass bei der Wahl der proeuropäische und proukrainische Kurs des baltischen Staates mit 1,8 Millionen Einwohnern bestätigt wird.
In Umfragen führt die Mitte-rechts-Partei Vereinte Liste von Ministerpräsident Andris Kulbergs. Eine Koalition unter Leitung Kulbergs hatte Ende Mai die Regierungsgeschäfte übernommen, nachdem die Vorgängerregierung infolge eines Drohnenvorfalls auseinandergebrochen war. Auslöser waren zwei ukrainische Drohnen, die von Russland aus die Grenze überquert hatten und in Lettland abgestürzt waren. Nach ukrainischen Angaben waren sie auf dem Weg zu Zielen in Russland und wurden von der russischen Luftabwehr abgelenkt.
Lettland fürchtet wie die beiden anderen baltischen Staaten Litauen und Estland, ebenfalls von Russland ins Visier genommen zu werden, da Präsident Wladimir Putin sie als Teil der russischen Einflusssphäre betrachtet. Seit 2004 sind die drei ehemaligen Sowjetrepubliken nicht nur Mitglieder der EU, sondern auch der Nato. Die Wahl gilt daher auch als Signal für die weitere sicherheitspolitische Ausrichtung der Region.
Die Abstimmung fällt in eine Zeit erhöhter Spannungen im Baltikum. Erst am Samstagmorgen musste der Flughafen der litauischen Hauptstadt Vilnius zeitweise schließen, nachdem sich eine Drohne aus Belarus genähert haben soll. Das Verteidigungsministerium in Vilnius gab eine amtliche Warnung vor Luftangriffen für die Region Vilnius heraus. In der Region stationierte Kampfflugzeuge der Nato stiegen kurzzeitig auf, konnten jedoch keine Drohne im Luftraum identifizieren. Der Betrieb am Flughafen wurde nach etwa 45 Minuten wieder freigegeben.
In der Republik Moldau haben in der Nacht zum Samstag nach Angaben des moldauischen Verteidigungsministeriums fünf Drohnen den Luftraum des Landes zwischen Rumänien und der Ukraine verletzt. Sie stürzten in verschiedenen Regionen ab und explodierten. Fragmente wurden in der Nähe von Căușeni, Dubovca in Hîncești, Crocmaz in Ștefan Vodă und zwischen Delacău und Puhăceni in Anenii Noi gefunden. In der Nähe von Crocmaz verursachte eine Explosion in einem Weinberg einen Vegetationsbrand und beschädigte Fenster an einer nahegelegenen landwirtschaftlichen Einrichtung.
Die Ereignisse unterstreichen die angespannte Sicherheitslage in der Region. Lettland, Litauen und Estland sind seit 2004 Mitglieder der EU und der Nato. Die baltischen Staaten fühlen sich durch Russland zunehmend bedroht, insbesondere seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Parlamentswahl in Lettland wird daher auch als Test für die Widerstandsfähigkeit der Demokratie in der Region gewertet.