US-Präsident Donald Trump will die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in den Vereinigten Staaten weiter beschleunigen. «Wir werden das Wachstum dieser unglaublichen Industrie in keinster Weise behindern oder abwürgen», schrieb Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social. Er verwies darauf, dass die USA bei dieser Technologie vor China und dem Rest der Welt lägen, und er wolle, dass dies so bleibe. Damit setzt der Präsident ein deutliches Zeichen gegen Bestrebungen, das Tempo der KI-Entwicklung zu drosseln.
Zuletzt hatten nach eigenständigen Hacking-Attacken durch KI-Software auch führende Labore wie Anthropic und der ChatGPT-Entwickler OpenAI dafür ausgesprochen, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz abzubremsen. Sie sehen das Risiko, dass die Technologie der Kontrolle durch Menschen entgleiten könnte. Einige Forscher aus der Branche warnen sogar, dass KI unter Umständen die Menschheit auslöschen könne. Solche Szenarien sind allerdings umstritten. Ein Mitarbeiter des Unternehmens Anthropic sagte unlängst, die Chancen, dass KI die Menschheit innerhalb des nächsten Jahrzehnts auslöschen könnte, lägen bei mehr als zehn Prozent.
Zugleich gibt es in den USA eine wachsende Bewegung gegen den Bau riesiger Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Als Gründe werden unter anderem steigende Strom- und Wasserpreise genannt, die durch den Betrieb der Anlagen entstehen. Die Kritik richtet sich damit nicht nur gegen die Technologie selbst, sondern auch gegen ihre infrastrukturellen und ökologischen Folgen.
Trump kündigte zugleich an, eine «AI Force» solle sich der «schlechten» Auswirkungen Künstlicher Intelligenz annehmen, und zwar im Rahmen der bestehenden Strafgesetzordnung. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die in seiner ersten Amtszeit gegründete Space Force, die Gefahren aus dem All abwehren soll. Die Details zu der von Trump angekündigten «AI Force» sind zunächst unklar. Ihre Gründung könnte zugleich als ein erster Versuch seiner Regierung interpretiert werden, doch eine staatliche Aufsicht der Technologie zu etablieren.
Darüber hinaus will Trump in Kürze einen «KI-Zar» benennen – eine Art Beauftragten der Regierung für die Technologie. Bis März agierte der Silicon-Valley-Unternehmer David Sacks in dieser Rolle. Er zog sich jedoch zurück, nachdem die Frist für seine Tätigkeit als externer Regierungsmitarbeiter abgelaufen war. Die Personalie dürfte Signalwirkung für die künftige Ausrichtung der US-KI-Politik haben.
Die Ankündigungen fallen in eine Phase, in der die Risiken des KI-Einsatzes auch jenseits theoretischer Szenarien diskutiert werden. Ein fehlerhafter US-Geheimdienstbericht, der mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde, hätte nach einem Bericht des Senders CNN beinahe zu einem US-Angriff auf ein chinesisches Handelsschiff geführt. Die Geheimdienstinformationen über eine angebliche Ladung mit Komponenten für Atomwaffen seien «komplett falsch» gewesen, hätten aber im Frühjahr «fast einen Krieg verursacht». US-Soldaten hätten sich bereits auf das Entern des Schiffes vorbereitet, und Flugzeuge der Luftwaffe seien in der Luft gewesen. Der Einsatz im Mittleren Osten sei abgebrochen worden, nachdem Beamte herausfanden, dass ein von einem Analysten genutzter KI-Chatbot die Ladung des Schiffes falsch identifiziert hatte. Der Bot verknüpfte öffentlich zugängliche Informationen mit Geheimdienstinformationen und kam so zu der Fehleinschätzung. Was das Schiff tatsächlich geladen hatte und wohin es unterwegs war, blieb unklar.
Die US-Streitkräfte und das Pentagon äußerten sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Der Fall zeigt, wie schwer die Folgen fehlerhafter KI-gestützter Analyse in sicherheitspolitischen Entscheidungsprozessen wiegen können. Während führende KI-Labore vor einem Kontrollverlust warnen und eine Verlangsamung fordern, setzt die US-Regierung unter Trump auf Beschleunigung und will die technologische Führungsrolle des Landes gegenüber China sichern. Die angekündigte «AI Force» und der neue KI-Beauftragte sollen offenbar zugleich Risiken adressieren und den Ausbau vorantreiben – ein Spagat, dessen konkrete Ausgestaltung noch offen ist.