Universal erwägt offenbar, den Dokumentarfilm «Musk» von Regisseur Alex Gibney nicht wie geplant in die Kinos zu bringen. Das berichtet das Branchenmagazin The Hollywood Reporter. Der Film, der auf dem Venice Film Festival mit einer fünfminütigen Ovation gefeiert wurde, könnte stattdessen an Gibney zurückgehen, damit dieser einen anderen Verleih findet. Universal hatte die Rechte bereits 2023 für einen Millionenbetrag gesichert – zu einem Zeitpunkt, als sich Elon Musk noch nicht vollständig als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump positioniert hatte.
Der vierstündige Film, der mit einer zehnminütigen Pause gezeigt wird, basiert auf Gesprächen mit Menschen aus Musks persönlichem Umfeld sowie mit Beobachtern seines politischen Einflusses. Musk selbst lehnte eine Teilnahme ab. Stattdessen werden seine öffentlichen Aussagen in Reenactments von einem CGI-Double nachgestellt – laut dem Journalisten Matt Rivera, der den Film in Venedig sah, eine «wörtliche Inszenierung des Filmthemas: ein Mann, der seine eigene Realität herstellt».
Zu den brisantesten Inhalten gehört die Behauptung von Musks ehemaliger Partnerin Ashley St. Clair, der Milliardär habe das Ergebnis der US-Wahl 2024 Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe gekannt – dank «Lasern im Weltraum». Musks Anwalt Alex Spiro wies diese Darstellung in einem Schreiben an Gibney und die Produktionsfirma Jigsaw Productions scharf zurück. «Starlink war nicht mit der Stimmenauszählung verbunden», schrieb Spiro laut NPR. Der Satelliteninternetdienst nutze Laser-Verbindungen zwischen Satelliten, was «Laser im Weltraum» beschreibe. Spiro erklärte, Gibney sei «in Kenntnis gesetzt» worden, dass die Andeutung falsch sei. Jigsaw entgegnete, man habe «das Recht auf offene Debatte und faktenbasierte Untersuchungen mächtiger öffentlicher Personen», geschützt durch den Ersten Verfassungszusatz.
Der Film thematisiert auch Musks Reaktion auf Berichte des Wall Street Journal über angeblichen Drogenkonsum sowie eine Geheimhaltungsvereinbarung, die St. Clair nach der Geburt eines von Musks 14 bekannten Kindern unterzeichnet haben soll. Weitere ehemalige Partnerinnen und Familienmitglieder kommen zu Wort. Musk selbst bezeichnete den Film in sozialen Medien als «Hit Piece», «falschen Film» und «langweilig». Weder Musk noch Spiro haben den Film gesehen. Rivera betonte nach der Vorführung: «Das ist nicht der Hetzfilm, den Musk behauptet. Er bemüht sich stellenweise fast übermäßig um Fairness. Aber er durchbohrt Musks Mythos.»
Dass Universal den Film fallen lässt, wäre kein Einzelfall. Amazon zog sich kürzlich von der Sam-Altman-Dokumentation «Artificial» zurück – nur Tage, nachdem der Konzern einen 50-Milliarden-Dollar-Deal mit Altmans Firma OpenAI abgeschlossen hatte. Auch Musk ist in diesem Film zu sehen; er soll nun über den Indie-Verleih Neon erscheinen. Für «Musk» hat HBO bereits Streaming-Rechte erworben und zusätzlich Budgetmittel bereitgestellt. Da Warner Bros. bald von David Ellison und seinem Vater Larry übernommen werden soll und Musk Larry Ellison in dem Film ungünstig darstellt, bleibt abzuwarten, ob die Streaming-Veröffentlichung wie geplant stattfindet.