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Russlands Rassvet könnte mit wenigen Hundert Satelliten militärisch relevant werden

Die russische Konstellation ist noch klein, doch rund 250 gut verteilte LEO-Satelliten könnten über der Ukraine eine dauerhafte Sichtverbindung ermöglichen.

Russlands Rassvet-System ist noch weit von Starlink entfernt. Für Europa ist jedoch eine andere Frage entscheidend: Wie viele Satelliten braucht Moskau überhaupt, um über der Ukraine und dem europäischen Teil Russlands eine militärisch brauchbare Verbindung zu schaffen?

Eine Analyse von Science Official kommt zu einem nüchternen Ergebnis. Nach zwei Serienstarts und den früheren Versuchssatelliten könnten derzeit ungefähr 37 Rassvet-nahe Raumfahrzeuge im Orbit sein. Das reicht nicht für einen stabilen 24-Stunden-Dienst, zeigt aber, dass das Projekt die Demonstrationsphase verlassen hat.

Rassvet soll in etwa 800 Kilometern Höhe arbeiten. In dieser Umlaufbahn benötigt ein Satellit rund 101 Minuten für eine Erdumrundung. Er steht also nicht fest über der Ukraine. Für einen Nutzer bewegt sich das Funkfenster über den Himmel, danach muss ein anderer Satellit übernehmen.

Entscheidend ist deshalb die Verteilung auf mehrere Bahnebenen. In einer vereinfachten Modellrechnung mit zwölf Bahnebenen und jeweils 21 Satelliten — insgesamt 252 — bleibt über Kyiv bei einem Mindestwinkel von 25 Grad stets mindestens ein Satellit sichtbar. Häufig wären es zwei oder drei.

Das beweist nicht, dass Rassvet diese Leistung tatsächlich schon erreichen kann. Unbekannt sind unter anderem reale Strahlformung, Gesamtdurchsatz, gleichzeitige Nutzerzahl und Störfestigkeit. Die Rechnung zeigt aber, dass einige Hundert Satelliten für regionale Dauerdeckung physikalisch plausibel sind.

Damit braucht Russland für militärische Zwecke nicht die globale Größe von Starlink. Eine deutlich kleinere Konstellation könnte große Drohnen, Schiffe, mobile Gefechtsstände oder Reservenetze versorgen, sofern geeignete Terminals vorhanden sind.

Der Schwachpunkt bleibt der Ausbau. Öffentliche russische Ziele nennen 156 Satelliten im Jahr 2026 und 292 im Jahr 2027. Vom heutigen offenen Schätzwert bis 156 wären noch rund acht Starts mit je 16 Satelliten nötig — etwa ein Start alle 18 Tage bis Jahresende.

Das passt nicht gut zur Behauptung, das Programm liege öffentlich „vor dem Zeitplan“. Der erste größere Serienstart war ursprünglich früher erwartet worden und flog erst im März 2026; der zweite folgte im Juli.

Für Deutschland und die Schweiz ist das Thema vor allem sicherheitspolitisch relevant. Europa diskutiert seit dem Ukrainekrieg über eigene satellitengestützte Kommunikationsreserven. Ein russisches LEO-Netz würde die militärische Abhängigkeit Moskaus von terrestrischer Infrastruktur weiter reduzieren und zugleich den Druck erhöhen, europäische Systeme resilienter gegen Störung, Sabotage und Ausfälle zu machen.

Ob Rassvet diesen Punkt erreicht, entscheidet nicht die nächste politische Ankündigung. Entscheidend ist, ob Russland in den kommenden Monaten einen wiederholbaren Serienrhythmus bei Produktion, Start und Terminals schafft.

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