Der Film «Fjord» kommt am 9. Oktober in die Kinos und erzählt von einer religiösen rumänischen Familie, die in ein abgelegenes norwegisches Dorf auswandert. Dort gerät sie schnell ins Visier der fortschrittlicheren Gemeinde, als der Verdacht auf Kindesmisshandlung aufkommt. Regisseur Cristian Mungiu, bekannt für «4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage» und «R.M.N.», inszeniert ein Drama, das die Zuschauer mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontieren soll.
Im Zentrum stehen Sebastian Stan als Familienvater Mihai und Renate Reinsve als seine Frau Lisbet. Stan, der für seine Rolle in «A Different Man» bekannt ist, zeigt sich hier von einer ungewohnt zurückhaltenden Seite und rasierte sich für die Rolle den Kopf. Reinsve, die durch «Der schlimmste Mensch der Welt» bekannt wurde, spielt ihre Figur mit stiller Intensität. Die beiden Darsteller wurden für ihre Leistung gelobt, doch die Handlung entfernt sich zunehmend von ihnen.
Der Film beginnt mit einer spannungsgeladenen Eröffnung, die auf die Wahrheit hinter den Ereignissen hindeutet. Als eine ernste Anschuldigung erhoben wird, nehmen die Behörden die Kinder der Familie in Obhut. Die Kinder werden jedoch nur kurz vorgestellt, bevor sie aus der Handlung verschwinden, sodass ihre Perspektive ungeklärt bleibt. Stattdessen entwickelt sich «Fjord» zu einem halbherzigen Justizthriller, der die Bürokratie und die Polarisierung der Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt.
Mungiu greift auf reale Nachrichten zurück, die er gelesen hat, und versucht, die Komplexität eines Kulturkampfes einzufangen. Doch die Umsetzung bleibt oberflächlich: Die Figuren wirken oft wie Karikaturen, und die Handlung verliert sich in Verhörszenen und Gerichtsverhandlungen. Die schönen, eindringlichen Landschaften Norwegens werden zwar eindrucksvoll eingefangen, doch die Menschen darin bleiben distanziert. Das Ergebnis ist ein Film, der trotz starken Ensembles kalt und fremd wirkt.
Die Geschichte dreht sich um eine Familie, die in einer neuen Heimat mit Misstrauen konfrontiert wird. Die fortschrittliche Gemeinde und die konservative Familie prallen aufeinander, doch der Film scheint sich mehr für die Polarisation als für die Menschen zu interessieren. Die Kinder werden zu Statisten, und die eigentlichen Konflikte bleiben unterentwickelt. Selbst die Auflösung wirkt überstürzt und lässt viele Fragen offen.
Für Mungiu, der für seine nuancierten Charakterstudien bekannt ist, bedeutet «Fjord» einen Rückschritt. Die leisen Momente, in denen die Darsteller ihre Figuren authentisch ausfüllen, sind die stärksten. Sobald der Film jedoch in eine breitere Eskalation übergeht, verliert er an Tiefe. Die Botschaft über Vorurteile und kulturelle Missverständnisse wird zwar angedeutet, doch sie erreicht den Zuschauer nicht wirklich.
«Fjord» wird sicherlich Diskussionen über seine politische Perspektive auslösen. Doch die Ambivalenz des Films wirkt eher wie eine Maske, die keine echten Einblicke gewährt. Am Ende bleibt das Gefühl, dass hier viel Talent an eine Geschichte verschwendet wurde, die ihre eigenen Möglichkeiten nicht ausschöpft. Wer sich für die Darsteller interessiert, wird dennoch auf seine Kosten kommen, auch wenn der Film als Ganzes enttäuscht.