Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat China beschuldigt, Russland beim Aufbau eines eigenen Satellitenkommunikationssystems zu unterstützen. Das Netzwerk mit dem Namen «Rasswet» soll ähnlich funktionieren wie Elon Musks Starlink und den russischen Streitkräften ermöglichen, Drohnen über große Entfernungen zu steuern und Ziele nahezu in Echtzeit anzugreifen. «Wir wissen, dass China an Satelliten arbeitet und an der Möglichkeit, Russland mit einem Starlink-ähnlichen System zu helfen», sagte Selenskyj in einem Interview mit der «Financial Times». Die Zusammenarbeit schreite voran, erklärte er. Unabhängige Belege für eine chinesische Beteiligung liegen bislang nicht vor.
Selenskyj forderte US-Präsident Donald Trump deshalb auf, Sanktionen gegen beteiligte russische und chinesische Unternehmen zu verhängen. Hinter «Rasswet» steht das russische Raumfahrtunternehmen Büro 1440. Es entwickelt ein Satellitennetz, das schnelle Internetverbindungen unabhängig von Mobilfunkmasten ermöglichen soll. Für die Armee wäre das ein erheblicher Vorteil: Aufklärungsbilder könnten unmittelbar übertragen und Drohnen auch dort gesteuert werden, wo herkömmliche Funkverbindungen nicht ausreichen.
Wie ernst Kiew die Gefahr nimmt, machte der ukrainische Diplomat Denys Sienik deutlich. Russland könnte mithilfe des Systems ukrainische Ziele überall im Land in Echtzeit erfassen, warnte er Ende September gegenüber Reuters. Noch ist das Netzwerk allerdings weit von einer dauerhaften Abdeckung entfernt. Russland hat bislang nur wenige Dutzend Satelliten gestartet, während Starlink Tausende betreibt. Zudem gab es Berichte über technische Schwierigkeiten.
Dennoch macht das Projekt Fortschritte. Anfang Oktober demonstrierte Büro 1440 bei einer Technikmesse in Moskau eine rund fünfminütige Videoverbindung über das Satellitennetz. Der reguläre Betrieb soll nach Unternehmensangaben 2027 beginnen. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist offen.
Dass Russland bei Raumfahrtprojekten auf chinesische Technik angewiesen ist, ist nicht neu. Bereits 2023 erklärte der damalige Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Juri Borissow, China habe die Lieferung elektronischer Bauteile angeboten. Westliche Sanktionen erschweren Russland die Beschaffung moderner Elektronik. Ob Peking auch beim Aufbau von «Rasswet» hilft, bleibt unklar. Ein funktionierendes eigenes Satellitennetz könnte Russland jedoch unabhängiger von westlicher Technik machen und seine militärischen Kommunikationsmöglichkeiten deutlich erweitern. Genau das ist die Befürchtung der Ukraine.