Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der Einschätzung von US-Außenminister Marco Rubio widersprochen, wonach sich die Bemühungen um Verhandlungen mit Russland in einer Sackgasse befänden. «Wir befinden uns nicht in einer diplomatischen Sackgasse», sagte Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit dem britischen Außenminister Ed Miliband in der Stadt Pryluky. Zuvor hatte Rubio bei einem Besuch in Lissabon erklärt, der Ukraine-Krieg scheine derzeit festzufahren. In einem Interview mit der griechischen Zeitung «Kathimerini» sagte er zudem, er sehe derzeit keine Aussichten auf eine Verhandlungslösung.
Selenskyj erneuerte seine Forderung, den Satelliten-Internetdienst Starlink über Russland für das ukrainische Militär freizuschalten. Sobald die Ukraine mit ihren Waffen den russischen Himmel dominiere, werde der russische Präsident Wladimir Putin sich an den Verhandlungstisch setzen. «Warum? Weil er alles verliert. Drei Monate, zwei Monate und er verliert alles», sagte Selenskyj. Den USA warf er «Unwillen» vor, den Kreml zu Verhandlungen zu bewegen. Washington koste eine Freigabe von Starlink gar nichts. Die russische Wirtschaft müsse blockiert, Moskau mundtot gemacht und die Waffenproduktion durch Sanktionen stillgelegt werden, forderte der ukrainische Staatschef.
Unterdessen setzt Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Bei einem Angriff auf zwei Linienbusse in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk wurden mindestens 33 Menschen getötet, zahlreiche weitere wurden verletzt. In der Stadt Pryluky ist die Zahl der Todesopfer auf 22 gestiegen. Die Angriffe verdeutlichen das Ausmaß der anhaltenden Gewalt, während diplomatische Bemühungen stocken.
In einer weiteren Entwicklung hat Südkorea seinen Botschafter Park Ki-chan aus Kiew abgezogen. Grund ist ein diplomatischer Streit: Die Regierung in Seoul wirft der Ukraine den Bruch einer Geheimhaltungsvereinbarung vor, nachdem Selenskyj die Übergabe zweier gefangener nordkoreanischer Soldaten an Südkorea öffentlich bekannt gegeben hatte. Die Soldaten hatten auf russischer Seite gegen die Ukraine gekämpft. Das südkoreanische Außenministerium betont jedoch, die Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts liefen weiter. Zuletzt waren auch Berichte aufgetaucht, wonach aus Südkorea knapper Diesel-Treibstoff nach Russland geliefert worden war.
In der russischen Region Rjasan haben Drohnen in der Nacht ein großes Rechenzentrum des Technologiekonzerns Yandex getroffen. Nach Angaben des Unternehmens brach ein Feuer aus, der Betrieb des Standorts wurde vollständig eingestellt. Yandex Cloud meldete Probleme mit der Stromversorgung und arbeitet nach eigenen Angaben daran, betroffene Dienste wiederherzustellen. Auch der Netzwerkbeobachter NetBlocks registrierte eine deutliche Störung im Yandex-Netzwerk. Der Konzern ist Russlands größtes Internetunternehmen und wird wegen seiner Suchmaschine und zahlreicher Online-Dienste häufig als russisches Pendant zu Google bezeichnet. Das betroffene Rechenzentrum liegt in Sassowo, rund 380 Kilometer südöstlich von Moskau. Auf demselben Industrieareal befindet sich der Maschinenbauer Sasta, dessen Werkzeugmaschinen auch für die russische Rüstungsindustrie von Bedeutung sind.
Unterdessen hat Ungarn sein Veto gegen einen EU-Beitritt der Ukraine aufgegeben. Auch nach dem Machtwechsel in Budapest blieb eine kritische Haltung gegenüber einem Beitritt bestehen, doch das ändert sich nun. Die Entscheidung könnte den Weg für weitere Gespräche über eine europäische Perspektive der Ukraine ebnen.