Der Bergsteiger Reinhold Messner schlägt Alarm: Die Berge seien zu einem Konsumgut geworden, sagte er und warnte, dass Influencer den Dolomiten mehr schaden als nützen. Der Extrembergsteiger fordert deshalb ein Buchungssystem für die Alpen, um den Besucherstrom zu lenken und die Natur zu entlasten.
Messner, der selbst aus Südtirol stammt und die Dolomiten seit Jahrzehnten kennt, sieht in der ungebremsten Vermarktung der Bergwelt eine ernste Gefahr. Besonders kritisch äußerte er sich über Influencer, die mit spektakulären Bildern immer mehr Menschen in empfindliche Gebiete locken. «Die Berge sind zu einem Konsumgut geworden», wird Messner zitiert. Sein Vorschlag: Ein Buchungssystem, das die Zahl der Besucher in stark frequentierten Zonen reguliert – ähnlich wie es in anderen Naturschutzgebieten oder bei großen Veranstaltungen üblich ist.
Die Dolomiten gehören zu den bekanntesten Bergregionen Europas und sind seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Jährlich strömen Millionen Touristen in die Südtiroler Berge, angezogen von den markanten Felsformationen und der leichten Erreichbarkeit. In den Sommermonaten sind viele Wanderwege und Aussichtspunkte überfüllt, Parkplätze knapp und die Infrastruktur an der Belastungsgrenze. Der Massentourismus führt laut Messner nicht nur zu Umweltbelastungen, sondern verdrängt auch die einheimische Bevölkerung und verändert den Charakter der Region.
Messner ist nicht der erste, der ein Umdenken fordert. In den vergangenen Jahren haben mehrere Gemeinden in den Alpen über Besucherlenkung und Eintrittsgelder diskutiert. Ein verpflichtendes Buchungssystem für bestimmte Wanderwege oder Bergtouren könnte jedoch einen tiefen Einschnitt bedeuten. Befürworter argumentieren, dass es die Natur schützt und ein qualitativ hochwertigeres Erlebnis ermöglicht. Kritiker sehen darin eine Einschränkung der Freiheit und eine weitere Kommerzialisierung des Bergsteigens.
Der 1944 in Brixen geborene Messner gilt als einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Er bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff. In den letzten Jahren hat er sich zunehmend als Umweltschützer und Kritiker des Massentourismus profiliert. Sein Engagement für die Alpen ist Teil einer breiteren Debatte über nachhaltigen Tourismus, die auch in Deutschland und Österreich geführt wird.
Ob Messners Vorschlag politische Unterstützung findet, ist offen. Die Südtiroler Landesregierung hat bislang keine konkreten Pläne für ein Buchungssystem vorgelegt. Klar ist jedoch, dass der Druck auf die Bergregionen wächst. Der Klimawandel, das veränderte Freizeitverhalten und die soziale Medien verstärken den Besucherandrang. Messner warnt, dass ohne Gegenmaßnahmen die einzigartige Landschaft der Dolomiten dauerhaft Schaden nehmen könnte.
Mit seiner Forderung nach einem Buchungssystem bringt Messner eine Debatte auf den Punkt, die viele Menschen in den Alpen bewegt: Wie viel Tourismus verträgt die Natur, und wie kann er so gesteuert werden, dass er auch für kommende Generationen erhalten bleibt? Die Antwort darauf wird nicht nur in Südtirol, sondern in allen Alpenländern gesucht.