Reinhold Messner schlägt Alarm: Der Massentourismus in den Dolomiten hat aus seiner Sicht ein Ausmaß erreicht, das den Bergen selbst schadet. Der Bergsteiger und Extrembergsteiger fordert deshalb ein Buchungssystem für die Alpen, um den Besucherstrom zu regulieren. Die Berge seien «zu einem Konsumgut geworden», kritisiert Messner.
Besonders deutlich wird der 81-Jährige in seiner Kritik an Influencern und sozialen Medien. Viele Menschen kämen nicht mehr wegen der Natur oder der Herausforderung in die Berge, sondern um Fotos für Instagram und andere Plattformen zu machen. Diese Entwicklung schade den Dolomiten mehr, als sie nütze, so Messner. Die Landschaft werde zur Kulisse für Selbstdarstellung, während die eigentliche Bedeutung der Berge in den Hintergrund trete.
Messners Vorschlag: Ein verpflichtendes Reservierungssystem, ähnlich wie es in manchen Nationalparks oder bei großen Wanderwegen bereits existiert. Wer in bestimmte Gebiete der Dolomiten möchte, müsste sich vorher anmelden. Auf diese Weise ließe sich die Zahl der Besucher steuern und die empfindliche Bergwelt besser schützen. Der Bergsteiger sieht darin einen notwendigen Schritt, um den Tourismus in geordnete Bahnen zu lenken.
Die Dolomiten gehören zu den bekanntesten Bergregionen Europas und ziehen jedes Jahr Millionen von Urlaubern an. Besonders in den Sommermonaten sind viele Wege und Hütten überfüllt. Der Verkehr auf den Passstraßen nimmt stetig zu, Parkplätze sind knapp, und die Infrastruktur stößt an ihre Grenzen. Für Anwohner und Naturschützer ist der Zustand schon lange ein Problem.
Messner ist nicht der Einzige, der eine Regulierung fordert. Auch andere Bergsteiger, Umweltorganisationen und Teile der lokalen Bevölkerung plädieren für mehr Kontrolle. Allerdings gibt es auch Widerstand: Viele Touristiker in Südtirol und den angrenzenden Regionen fürchten Umsatzeinbußen, wenn der Zugang beschränkt wird. Die Diskussion um ein Buchungssystem ist daher politisch heikel.
Der gebürtige Südtiroler Messner gilt als einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Er bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender ohne Sauerstoffflasche. Seit Jahren engagiert er sich für den Schutz der Bergwelt und kritisiert immer wieder die Kommerzialisierung des Alpinismus. Seine aktuelle Warnung reiht sich in eine lange Serie von Appellen ein, die Natur nicht länger als beliebige Ressource zu behandeln.
Ob sein Vorschlag politisch umgesetzt wird, ist offen. Klar ist jedoch, dass der Druck auf die Dolomiten weiter wächst. Der Tourismus in den Alpen boomt, und die Frage, wie viel Besucher die Berge vertragen, wird immer dringlicher. Messner hat mit seiner Forderung eine Debatte angestoßen, die nicht nur Südtirol betrifft, sondern den gesamten Alpenraum.