Die vierte Folge der sechsten Staffel von Slow Horses, «Lost and Found», verdichtet das ohnehin schon dichte Intrigennetz der Serie weiter. Im Mittelpunkt steht das lang erwartete Aufeinandertreffen von Frank Harkness (Hugo Weaving) und Jackson Lamb (Gary Oldman), die sich in einem Shake Shack gegenüberstehen. Es ist das erste Mal, dass die beiden Figuren nennenswerte gemeinsame Screentime erhalten, und die Szene zählt zu den herausragenden Momenten der Episode.
Doch die Folge hat auch ihre Schwächen. Die Handlung wirkt an mehreren Stellen überladen, als versuche die Serie in ihrer kurzen sechsteiligen Staffel zu viele Fäden gleichzeitig zu verknüpfen. Bereits in der vorherigen Episode hatte MI5-Aufseher Oliver (Lucian Msamati) von einem «Petri dish of intrigue» gesprochen — ein Bild, das nun zunehmend zutrifft. Die Episode bietet zwar starke Einzelszenen, darunter eine Eröffnungssequenz in einer neonbeleuchteten Bowlingbahn und einen Messerkampf zwischen JK Coe (Tom Brooke) und Jim (Kyle Soller) auf einer Toilette, doch das Tempo der Enthüllungen wirkt bisweilen überstürzt.
Inhaltlich klärt die Folge einige offene Fragen. Frank Harkness arbeitet für den rechtsgerichteten TV-Magnaten Damien Cantor (Harry Lloyd), der einen Vertrag mit den Russen anstrebt. Um seinen Wert zu beweisen, ließ Cantor den toten Dog Andy Nesmith die Slough-House-Akte im Park stehlen. Cantor war es jedoch nicht, der die Tötungen der Slow Horses in Auftrag gab — er engagierte Harkness lediglich als Aufräumtruppe, um die Spuren des Dokumentendiebstahls zu verwischen. Die Liste gelangte offenbar an einen russischen Kontakt, der sie an den GRU weitergab. Dieser nutzte sie für Vergeltungsmaßnahmen gegen Diana Taverner (Kristin Scott Thomas), die nach den jüngsten Nervengiftanschlägen und einem TV-Auftritt unter Druck steht.
River (Jack Lowden) vermutet, dass Diana die Identität von Sid Baker (Olivia Cooke) gestohlen hat, um sie auf dem Papier für den MI5-Anschlag in Kasan verantwortlich erscheinen zu lassen. Diese Theorie gewinnt an Gewicht, als Diana am Telefon mit Vassily Rasnokov, ihrem GRU-Gegenüber, verhandelt. Sie stimmt zu, dass Vassilys Attentäter Sid töten dürfen, wenn sie im Gegenzug aufhören, weitere Bewohner von Slough House zu eliminieren. Dass Diana Sid derart opfert, wiegt besonders schwer, da Sid beharrlich versucht, den Kontakt zu Diana zu suchen — trotz Rivers Warnung, ihr nicht zu vertrauen. Am Ende der Episode wird Sid von Jim und Jane (MyAnna Buring) mit vorgehaltener Waffe entführt.
Neben diesen Entwicklungen zeigt die Folge auch Reece Nesmiths Versuch, Frank zu erpressen, sowie eine Gruppe von Frauen, die in einem Safe House ankommt, das sich als Dianas Ferienhaus entpuppt — inklusive Weinkeller, den Standish entdeckt. Den bittersten Moment liefert jedoch der Tod von JK Coe, der nach mehreren Rettungsaktionen für seine Kollegen mit aufgeschlitztem Bauch in einem Badezimmer stirbt. Für einen Slow Horse kommt dies einem heldenhaften Ende so nah wie möglich.
Die Fülle an Wendungen in einer einzigen Episode ist zugleich das größte Problem von «Lost and Found». Zwar ist es reizvoll, ein komplexes Handlungsgeflecht wie ein Pinnwand-Diagramm zu entschlüsseln, doch die Verdichtung wirkt nach der überzeugenden vorherigen Folge unausgewogen. Die Serie scheint in ihrer kurzen Staffel zu viele Entwicklungen gleichzeitig unterzubringen, was dem Erzähltempo nicht guttut. Dennoch bleibt die Episode ein zentraler Baustein der Staffel, der die Weichen für die verbleibenden Folgen stellt.