Bei einem erneuten russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte, habe es vor dem Angriff keine Vorwarnung durch die westlichen Verbündeten gegeben. «Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern», erklärte Selenskyj über den Kurznachrichtendienst Telegram. Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen seien entscheidend, um Menschenleben zu retten, betonte er.
Der Präsident nannte keinen Partner namentlich, kritisierte jedoch indirekt die mangelnde Unterstützung. «Aber direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung der Hilfe für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor ballistischen Angriffen – all das trägt definitiv nicht zum Frieden bei», sagte Selenskyj weiter. Sein Land brauche ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, «die wirklich helfen». Zudem forderte er wirksamen Druck auf Russland, um weitere Angriffe zu verhindern.
US-Präsident Donald Trump wies die Vorwürfe zurück. Er bestritt, dass die Vereinigten Staaten oder die Nato nicht gewarnt hätten. Details zu seiner Begründung nannte er zunächst nicht. Die unterschiedlichen Darstellungen belasten das Verhältnis zwischen Kiew und seinen wichtigsten Unterstützern zusätzlich.
Der Angriff auf Kiew ist Teil einer Serie russischer Luftschläge, die trotz einer angekündigten Energie-Waffenruhe fortgesetzt werden. Selenskyj hatte wiederholt betont, dass die Ukraine dringend leistungsfähigere Luftabwehrsysteme benötigt, um ballistische Raketen abzufangen. Die fehlende Vorwarnung durch die Partner wirft Fragen über die Effektivität der militärischen Zusammenarbeit auf.
Unterdessen mehren sich in der Region Berichte über ukrainische Gegenangriffe auf russische Infrastruktur. In der Nacht kam es zu einer großen Explosion in einem Öllager in Nowoschachtinsk in der Nähe von Rostow am Don. Die Stadt gilt als wichtiger Knotenpunkt für die Verschiffung von russischem Öl. Bereits am 10. Oktober hatte die Ukraine ein Ölterminal angegriffen, das seitdem in Flammen stand. Das Feuer zerstörte offenbar einen oder mehrere Öltanks. Videos von Augenzeugen zeigen eine gewaltige Explosion. Angaben zu möglichen Opfern liegen bislang nicht vor.
Zudem ereignete sich in der Region Pensa eine Explosion an der Erdgaspipeline «Zentralasien–Zentrum». Nach Angaben der russischen Zeitung «Kommersant» stieg eine bis zu 70 Meter hohe Stichflamme auf. Die Behörden sperrten die Leitung und unterbrachen den Gasfluss. Durch die Hitze geriet umliegende Vegetation in Brand. Tote oder Verletzte gab es nach bisherigen Angaben nicht. Die Ursache ist unklar. Die Pipeline gehört zum Staatskonzern Gazprom und ist Teil eines rund 5.000 Kilometer langen Systems, das Russland mit Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan verbindet.
Unterdessen forderte der litauische Ministerpräsident Mindaugas Sinkevičius weitere ukrainische Angriffe auf russische Rechenzentren. Beim Warschauer Sicherheitsforum sagte er, man solle Selenskyj bitten, weitere Rechenzentren in Russland anzugreifen, um die Einflussnahme auf Wahlen einzudämmen. Zudem sprach er sich für eine engere europäische Verteidigungszusammenarbeit aus.
Finnland verlangt ein EU-weites Verbot von Touristenvisa für russische Staatsbürger. Außenministerin Elina Valtonen erklärte, solange Russland seinen Angriffskrieg fortsetze, sollten keine entsprechenden Visa mehr ausgestellt werden. Im vergangenen Jahr stellten die Schengenstaaten russischen Bürgern fast 500.000 Touristenvisa aus. Finnland schränkt die Vergabe bereits seit 2022 ein und fordert nun eine Verschärfung auf EU-Ebene. Zudem sollen strengere Regeln für Personen aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin, für russische Sportler sowie für aktive und ehemalige Kriegsteilnehmer gelten.
Bulgarien meldete unterdessen Drohnenangriffe auf zwei Schiffe vor seiner Küste im Schwarzen Meer. Betroffen war der unter maltesischer Flagge fahrende Frachter «Chelsea 3» sowie ein weiteres Schiff. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.