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Hunderttausende protestieren in Frankreich gegen hohe Preise und Bildungsmisstände

Bei landesweiten Protesten gegen Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es in mehreren französischen Städten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Organisatoren zählen rund 800.000 Teilnehmer, die Polizei nimmt mehr als 270 Menschen fest. In Saint-Etienne verliert ein Demonstrant durch eine Polizeigranate eine Hand, in Lyon brennt ein Tourismusbüro aus.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Bei einem landesweiten Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem ist es in Frankreich zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Nach Angaben der Organisatoren gingen am Samstag rund 800.000 Menschen im ganzen Land auf die Straße. Von Marseille bis Lille kam es zu Ausschreitungen, mehr als 272 Menschen wurden festgenommen. Das Innenministerium bestätigte die Zahl der Festnahmen am Mittag, die Pariser Präfektur meldete allein für die Hauptstadt 191 Festgenommene, von denen 90 Prozent volljährig seien.

Besonders dramatisch verlief der Tag in Saint-Etienne: Dort verlor ein Demonstrant durch eine Polizeigranate seine Hand. Ob es sich um eine Blendgranate oder eine Tränengasgranate handelte, war zunächst unklar. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein 15-Jähriger seine linke Hand verloren, als vor seiner Schule in Lens eine Blendgranate explodierte. In Lyon ging ein Tourismusbüro in Flammen auf, rund 40 Menschen versuchten nach Behördenangaben, den Verkehr auf einer Brücke zu blockieren. Nahe der Universität trieb die Polizei rund 300 Demonstranten mit Tränengas auseinander.

In Marseille drangen mehrere Dutzend Menschen in die Eingangshalle des Rathauses ein. «Es ist Revolution! Wir stürmen die Bastille», riefen die Demonstranten, bevor sie von der Polizei vertrieben wurden. In der Innenstadt wurden Dutzende Geschäfte geplündert. In Lille brachen Demonstranten mehrere Eingänge des Rathauses auf und verwüsteten einige Räume. In Paris versammelten sich am Nachmittag Menschen am Platz der Republik zu einer Großdemonstration. Einige zündeten Feuerwerkskörper, viele Teilnehmer waren schwarz gekleidet und vermummt. Die Polizei setzte mehrfach Tränengas und Wasserwerfer ein. Später brannten im Viertel rund um den Platz Mülltonnen und Zeitungskioske, schwarzer Rauch und Tränengas lagen in der Luft.

Zwei Demonstranten kletterten auf die Mariannenstatue und legten ihr eine gelbe Weste um, auf der zu lesen war: «Die Polizei verstümmelt Schüler.» Sie spielten damit auf die Gelbwesten-Bewegung an, die 2018 mit Protesten gegen die Erhöhung der Kraftstoffsteuern landesweite Massendemonstrationen ausgelöst hatte. «Dieses Mal werden wir gewinnen und dieses System stürzen», sagte die Gelbwesten-Aktivistin Marjorie Keters. Die 24-jährige Studentin Anaé sagte: «Ich bin jung. Ich habe studiert. Ich habe kein Einkommen. Unser Planet brennt. Und wir haben eine Regierung, die sich einen Dreck um uns schert.»

Die Gewerkschaft CGT rief die Regierung angesichts der Zusammenstöße dazu auf, die «Repressionen» einzustellen. Auch in anderen Städten gab es Protestaktionen: In Rennes errichteten rund 20 Menschen Straßenblockaden nahe einem Einkaufszentrum, in Rouen wurde ein Universitätsgebäude durch ein Feuer beschädigt, in La Rochelle hielten Demonstranten ein Plakat mit der Aufschrift «Revolution oder Tod». Landesweit waren 1500 Aktionen, Demonstrationen oder Blockaden angekündigt, darunter Kundgebungen, Straßensperren sowie Blockaden von Bahnhöfen, Brücken, Mautstellen, Tankstellen oder Raffinerien. Vielerorts verliefen die Proteste friedlich.

Innenminister Nuñez hatte bei «extrem schweren Ausschreitungen» den Einsatz von Blendgranaten nicht ausgeschlossen. Dieser war nach schweren Zwischenfällen bei den Schülerprotesten zuletzt ausgesetzt worden. Die Schüler fordern bei ihren seit Mitte September andauernden Protesten mehr Lehrkräfte, kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung. Hintergrund ist die Debatte um einen Sparhaushalt, den die Regierung durch das Parlament bringen will und der auch Kürzungen im Bildungsbereich vorsieht. Im kommenden Jahr finden in Frankreich Präsidentschaftswahlen statt; Amtsinhaber Emmanuel Macron kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Oppositionspolitiker äußerten sich zu den Protesten: Die Rechtspopulistin Marine Le Pen erklärte, Randalierer hätten die Demonstrationen erneut in Verruf gebracht und die Forderungen der Demonstranten seien «von der extremen Linken gekapert» worden. Der LFI-Chef Jean-Luc Mélenchon betonte, die meisten Demonstrationen seien «friedlich verlaufen», und warf den Medien vor, «uns mit Bildern von Gewalt zu überschütten».

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