In der ARD-Talksendung „Maischberger“ ist es am Dienstagabend zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen dem Journalisten Ulf Poschardt und der Bundestagsabgeordneten Ricarda Lang (Grüne) gekommen. Auslöser war die Frage, wer in Deutschland am meisten zur gesellschaftlichen Spaltung beiträgt. Poschardt, früherer Chefredakteur der „Welt“, machte die Grünen mitverantwortlich für den Aufstieg der AfD. Er warf der früheren Grünen-Chefin vor, die Partei trage eine besondere Verantwortung für die Art und Weise, wie Debatten in Deutschland geführt würden. Konkret nannte er die Themen Migration, Gender und Corona.
Lang konterte umgehend und sprach von einem „Freiheitskampf getarnter Zynismus“. Sie wies die Vorwürfe entschieden zurück und stellte klar, dass die Grünen nicht für die Radikalisierung der AfD verantwortlich seien. Die Diskussion verdeutlichte, wie weit Deutschland aus Sicht der Beteiligten vom inneren Zusammenhalt entfernt ist, den zuvor andere Gäste angemahnt hatten.
Hintergrund der Sendung war der gescheiterte Drohnen-Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte von einem Land gesprochen, das „tägliches Ziel hybrider Kriegsführung“ sei. Die angekündigten Gegenmaßnahmen, darunter die Einbestellung des russischen Botschafters und die Schließung des Generalkonsulats in Bonn sowie des Russischen Hauses in Berlin, wurden von den Journalisten Markus Preiß, Nicole Diekmann und Ijoma Mangold als besonnen bewertet.
Zugleich warnten die Gäste vor einer Eskalation. „Ich glaube, dieses Spiel wird sich noch einige Runden weiterdrehen“, sagte ARD-Studioleiter Markus Preiß. Der „Zeit“-Kulturkorrespondent Ijoma Mangold mahnte, die „hochriskante weltpolitische Situation“ mitzudenken. Er verwies auf die Schwäche Russlands, das im Krieg gegen die Ukraine keinen Durchbruch erziele. „Ein Hund, den man in die Ecke drängt, der wird unberechenbar“, warnte er.
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) pflichtete bei. Man wisse nicht, wie weit die Russen zu gehen bereit seien und welches Risiko sie in Kauf nehmen wollten. Es bestehe die Gefahr eines Kreislaufs, der nur eine Verschlimmerung zulasse. Putin stelle die Resilienz und den Zusammenhalt der westlichen Gesellschaften auf die Probe. Beeindrucken könne man ihn vor allem durch ein Zusammenstehen in der Nato und in Europa. Gabriel sprach sich zudem für ein entschiedeneres Vorgehen gegen die russische Schattenflotte aus. Gleichzeitig verwies er auf die Grenzen äußerer Einflussnahme: „Er ist natürlich ein Diktator, er muss auf seine Bevölkerung nicht hören.“
In der Diskussion über die AfD empfahl Mangold, die Blockade gegenüber der Partei aufzugeben. Die einzig realistische Option, die Partei zu deradikalisieren, sei, sie Verantwortung übernehmen zu lassen und sie dann in die Pflicht zu nehmen. Nicole Diekmann, ZDF-Hauptstadtkorrespondentin, widersprach entschieden: „Die AfD zu deradikalisieren, würde bedeuten, die AfD aufzulösen.“ Die entscheidenden Kräfte in der Partei seien radikal und würden vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. „Eine AfD ohne Radikalität gibt es gar nicht“, lautete ihr Fazit. Sie berichtete von einem Besuch beim Jugend-Parteitag der AfD, wo reflexhaft das Thema „Remigration“ aufgegriffen worden sei.