Das Geschäft mit Cheats in Videospielen hat nach Angaben der Call-of-Duty-Entwickler Activision ein Volumen von rund 8,5 Milliarden Dollar pro Jahr erreicht. In einem neuen Blogbeitrag des Anti-Cheat-Teams Ricochet heißt es, Abonnements für Cheat-Software wie Aim-Bots kosteten zwischen 40 und 100 Dollar monatlich. Rechnet man sogenannte Spoofing-Programme hinzu, mit denen sich Spieler vor Account-Sperren schützen, summieren sich die Ausgaben auf mehr als 1000 Dollar jährlich.
Die Zahl stammt aus einer Analyse der Threat-Intelligence-Plattform Intorqa. Demnach generieren Cheat-Abonnements über 15 Spiele hinweg etwa 3,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Bezieht man angrenzende Dienste wie Account-Verkäufe, Boosting und Spoofing ein, schätzt Intorqa die gesamte Cheating-Ökonomie auf rund 8,5 Milliarden Dollar jährlich. Activision veröffentlicht diese Zahlen, während das Unternehmen seine Strategie gegen Cheat-Anbieter ausweitet.
Das Ricochet-Team setzt nach eigenen Angaben auf eine Kombination aus technischer Erkennung und rechtlichen Schritten, um das Cheat-Ökosystem auf allen Ebenen zu destabilisieren. Nach Unternehmensangaben wurden mehr als 375 Reseller-Operationen gestört, über 80 Unterlassungsaufforderungen verschickt und 31 primäre Cheat-Anbieter zur Schließung gebracht. «Letztlich ist Cheating eine schlechte Investition», heißt es in dem Beitrag. Jedes Mal, wenn ein Akteur identifiziert und entfernt werde, sei das investierte Geld verloren – alles nur für einen kurzfristigen Ego-Schub.
Die neuen Ricochet-Updates sollen gezielt die Entwickler von Cheat-Software aufspüren und rechtliche Schritte gegen sie ermöglichen. «Wir haben technische Erkennung mit konsequentem rechtlichen Vorgehen kombiniert, um das Cheat-Ökosystem auf jeder Ebene zu destabilisieren», erklärte Activision. Das Unternehmen beschreibt die eigenen Systeme als mehrschichtig, um den Markt mit Reibung zu überziehen und das Verhalten der Anbieter zu verändern. Das Ökosystem verändere sich ständig – man selbst tue das ebenfalls.
Die Veröffentlichung des Berichts erfolgt kurz vor dem Start von Call of Duty: Modern Warfare 4. Das Spiel erscheint am 23. Oktober, Vorbesteller können die Einzelspieler-Kampagne bereits ab dem 16. Oktober erleben. Die Entwickler bezeichnen Modern Warfare 4 als «epischen Abschluss» einer Geschichte, die mit dem Reboot von 2019 begann. Der Kampf gegen Cheater dürfte damit auch für die kommende Veröffentlichung eine zentrale Rolle spielen.
Cheating ist seit Jahren ein Problem in der Gaming-Branche. Besonders in kompetitiven Multiplayer-Titeln wie Call of Duty beeinträchtigen Aim-Bots und andere Hilfsmittel das Spielerlebnis und sorgen für Frust in der Community. Die Anbieter von Cheat-Software agieren international und passen ihre Programme ständig an, um Erkennungssysteme zu umgehen. Activision zufolge operieren Cheat-Hersteller weltweit – und das Unternehmen verfolgt sie ebenso global.
Erst kürzlich ging das Ricochet-Team während einer geschlossenen Beta in Ohio gegen den Anbieter Elocarry vor. Dieser Fall sei kein Einzelfall, betonte das Unternehmen. Die jüngsten Maßnahmen zeigen, dass Activision nicht nur technisch, sondern auch juristisch gegen die Cheat-Industrie vorgeht. Ob die Bemühungen den Markt nachhaltig eindämmen können, bleibt abzuwarten. Klar ist: Das Geschäft mit Cheats ist milliardenschwer – und die Entwickler wollen es nicht kampflos aufgeben.