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Vorstellungsgespräch: Warum der Anzug nicht mehr immer die sicherste Wahl ist

Auch deutsche Berufsberatung setzt stärker auf Kontext: Branche, Tätigkeit und Unternehmenskultur bestimmen den passenden Grad an Formalität. Ein Blick auf Website und soziale Medien kann helfen.

Colloquio di lavoro: l’abito formale non è più una regola universale

Фото: Tima Miroshnichenko / Pexels · Pexels License · rights

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OU erstellt.

Der dunkle Anzug galt lange als die sichere Antwort auf die Frage nach der Kleidung im Vorstellungsgespräch. Wer Zweifel hatte, wählte lieber etwas zu formell als zu locker. Diese Faustregel ist heute weniger verlässlich, weil sich Arbeitswelten stark auseinanderentwickelt haben. Zwischen Bank, Anwaltskanzlei, Industrieunternehmen, Start-up und Kreativagentur liegen nicht nur fachliche, sondern oft auch sichtbare kulturelle Unterschiede.

Ein Bericht der Associated Press, den Fortune am 7. August 2026 veröffentlichte, beschreibt diese Veränderung anhand von Bewerbern, Recruitern und Stilberatern. Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine statistische Studie, die beweist, dass ein Anzug die Einstellungschancen senkt. Dokumentiert wird vielmehr, dass der Anzug in lockeren, hybriden und virtuellen Arbeitsumgebungen nicht mehr automatisch der Standard für jedes Interview ist.

Gleichzeitig bleibt formelle Kleidung in vielen Bereichen relevant. Die AP nennt besonders Führungspositionen, Rechtsberufe und Finanzdienstleistungen. Dort können Anzug oder Kostüm weiterhin Teil der professionellen Erwartung sein — gerade wenn Kundenkontakt, Repräsentation, Verhandlungen oder institutionelle Tradition eine große Rolle spielen.

Für Bewerber in Deutschland gibt es eine bemerkenswert ähnliche Empfehlung von offizieller Seite. Die Bundesagentur für Arbeit rät, sich vor dem Gespräch gründlich über das Unternehmen zu informieren und dabei auch Website und soziale Netzwerke zu nutzen. Bei der Kleidung komme es auf Branche und Tätigkeit an. Als allgemeine Orientierung nennt die Behörde sinngemäß einen Auftritt, der etwa eine Stufe formeller ist als die übliche Arbeitskleidung.

Das lässt sich praktisch anwenden. Wer auf Fotos eines Unternehmens immer wieder Jeans, T-Shirts, Pullover und Sneaker sieht, muss daraus nicht schließen, im Vorstellungsgespräch genauso locker zu erscheinen. Dunkle Jeans oder eine Stoffhose, Hemd, Bluse oder ein gepflegter Pullover können die passende Stufe darüber sein. Ist Business Casual üblich, kann ein Sakko oder Blazer die nötige zusätzliche Struktur geben. Zeigt das Unternehmen konsequent Anzüge, ist das ebenfalls ein deutliches Signal.

Entscheidend ist, nicht nur die Firma, sondern die konkrete Rolle anzuschauen. In einem Konzern können Vertrieb, Rechtsabteilung, Entwicklung und Produktion verschiedene Kleidungskulturen haben. Wer regelmäßig Kunden oder Behörden vertritt, braucht möglicherweise mehr Formalität als jemand, der überwiegend intern in einem technischen Team arbeitet.

Auch der geografische und branchenspezifische Kontext spielt eine Rolle. In Deutschland und der Schweiz existieren konservative Geschäftsumfelder ebenso wie sehr informelle Technologie- und Kreativmilieus. Eine internationale Nachricht über lockerere Büros bedeutet deshalb nicht, dass deutsche Bewerber den Anzug grundsätzlich im Schrank lassen sollten. Sie bedeutet, dass genaueres Hinsehen wichtiger geworden ist.

Wenn öffentliche Informationen keine klare Antwort geben, kann die Personalabteilung helfen. Die Frage „Gibt es für das Gespräch einen bestimmten Dresscode?“ ist sachlich und legitim. Sie kann besonders sinnvoll sein, wenn das Treffen an einem Produktionsstandort, auf einer Messe, in einem Coworking-Space oder per Video stattfindet.

Bei Videointerviews gelten ähnliche Grundsätze. Die von AP befragten Experten empfehlen, dem Outfit online genauso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie bei einem persönlichen Termin. Saubere, gut sitzende Kleidung bleibt wichtig. Einfarbige Oberteile wirken in der Kamera häufig ruhiger als sehr kleine oder kontrastreiche Muster. Licht und Hintergrund sollten zusammen mit der Kleidung getestet werden.

Komfort darf dabei nicht mit Nachlässigkeit verwechselt werden. Ein Anzug, der an den Schultern spannt, oder neue Schuhe, die nach wenigen Minuten schmerzen, können Konzentration kosten. Ein gut sitzendes, vertrautes Outfit hilft eher dabei, sich auf Fragen und Gesprächspartner zu konzentrieren. Professionalität zeigt sich nicht nur in der formalen Kategorie eines Kleidungsstücks, sondern auch darin, ob der gesamte Auftritt selbstverständlich wirkt.

Die neue Empfehlung ist deshalb keine Umkehrung des alten Dogmas. „Anzug immer“ wird nicht durch „Anzug nie“ ersetzt. Stattdessen entsteht eine kontextabhängige Entscheidung: Branche prüfen, Rolle verstehen, Unternehmenskultur ansehen und dann etwas gepflegter als der normale Arbeitsalltag erscheinen.

Damit wird die Kleiderfrage sogar zu einem kleinen Test professioneller Recherche. Wer vor dem Gespräch herausfindet, wie ein Unternehmen sich selbst präsentiert und welche Normen in der eigenen Funktion gelten, zeigt Aufmerksamkeit für das Umfeld. Der Anzug bleibt ein starkes Werkzeug — aber eines, das bewusst eingesetzt werden sollte, statt automatisch.

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