Der südkoreanische Publisher Krafton plant, die Battle-Royale-Formel mit einem neuen PUBG-Ableger neu zu definieren. Das Projekt mit dem Arbeitstitel PUBG: soll sich durch eine ungewöhnliche Mischung aus übertriebener Gameshow-Gewalt und Roguelite-Elementen von etablierten Vertretern des Genres abheben. Wie das Unternehmen durchblicken lässt, verfolgt es damit eine bewusst andere Strategie als bei früheren PUBG-Titeln.
Player Unknown's Battlegrounds gilt als eine der einflussreichsten Veröffentlichungen des vergangenen Jahrzehnts. Zwar legte H1Z1 das Fundament für das Battle-Royale-Genre, doch erst PUBG formte es zu jener Form, die bis heute großen Erfolg hat. Ohne diesen Titel hätte es den Battle-Royale-Boom der späten 2010er-Jahre nicht gegeben, und Millionen Spieler weltweit wären nicht mit den brutalen Arena-Freuden von roten Loot-Kisten, Schweißerhelmen und dem Klirren von Stahlpfannen vertraut.
Krafton steht nun vor der Herausforderung, den Erfolg zu wiederholen. Der Markt für Battle-Royale-Spiele ist heute deutlich umkämpfter als noch vor einigen Jahren. Mit dem neuen Ansatz will das Unternehmen offenbar gezielt ein Publikum ansprechen, das nach Abwechslung sucht. Die Kombination aus Roguelite-Mechaniken und einer Ästhetik, die an überzeichnete Gameshows erinnert, deutet auf ein Spiel hin, das bewusst auf Übertreibung und Wiederholbarkeit setzt.
Roguelite-Elemente sind in der heutigen Spielelandschaft weit verbreitet. Sie setzen auf zufällig generierte Durchläufe und permanente Verbesserungen, die Spieler auch nach Niederlagen voranbringen. In einem Battle-Royale-Kontext könnte das bedeuten, dass Matches nicht mehr nur als einmalige Ausscheidungswettkämpfe funktionieren, sondern in einen größeren Fortschrittskreislauf eingebettet sind. Krafton scheint damit auf ein verändertes Spielverhalten zu reagieren: Viele jüngere Spieler erwarten heute, dass sie auch bei kurzen Sitzungen das Gefühl haben, etwas freizuschalten oder zu verbessern.
Die Rede von der «Gameshow-Gewalt» verweist auf eine bewusst überzogene Darstellung. Statt realistischer Kriegsszenarien könnte das Spiel auf eine grelle, fast karikaturhafte Inszenierung setzen, wie sie in Fernsehshows mit übertriebenen Wettkämpfen üblich ist. Ob dieses Konzept aufgeht, hängt davon ab, wie gut es Krafton gelingt, die verschiedenen Einflüsse zu einem stimmigen Spielerlebnis zu verbinden. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es komplexe Systeme entwickeln und über Jahre hinweg pflegen kann.
Für die deutsche Gaming-Community ist die Ankündigung relevant, weil PUBG hierzulande eine große und loyale Spielerbasis hat. Sollte sich der neue Ableger durchsetzen, könnte er das Genre erneut prägen und auch andere Entwickler zu ähnlichen Experimenten ermutigen. Krafton selbst hat noch keine konkreten Details zu Plattformen, Release-Zeitraum oder Monetarisierung genannt. Klar ist bislang nur, dass der Publisher den eingeschlagenen Weg als notwendige Abkehr von der bisherigen Formel beschreibt.
Ob aus dem Experiment der nächste große Battle-Royale-Hit wird, bleibt abzuwarten. Die Geschichte des Genres zeigt, dass sich Erfolg nur schwer planen lässt. PUBG setzte sich einst gegen zahlreiche Konkurrenten durch, weil es zur richtigen Zeit das richtige Spielgefühl bot. Krafton hofft nun, dass ein ungewöhnlicher Mix aus Roguelite und bewusst überzeichneter Gewalt denselben Effekt erzielt.