Electronic Arts hat das traditionsreiche Rollenspiel-Studio BioWare geschlossen und die Arbeiten an Mass Effect 5 eingestellt. Wie das Unternehmen in einem internen Schreiben an die Belegschaft mitteilte, fallen im Zuge der Schließung rund 400 Stellen weg, was etwa drei Prozent der gesamten EA-Belegschaft entspricht. Das Studio in Edmonton, wo BioWare seinen Hauptsitz hat, wird geschlossen. Der Standort in Austin, Texas, soll laut Berichten bestehen bleiben und andere EA-Projekte unterstützen.
Die Nachricht traf die Spielebranche am Mittwochabend und löste eine Welle der Anteilnahme aus. Zahlreiche Entwicklerinnen und Entwickler sowie ehemalige Weggefährten äußerten sich in sozialen Netzwerken bestürzt über das Ende eines der einflussreichsten Rollenspiel-Studios überhaupt. BioWare hatte mit Reihen wie Mass Effect, Dragon Age, Baldur's Gate und Star Wars: Knights of the Old Republic das Genre über Jahrzehnte geprägt. In dem Schreiben von EA heißt es, BioWare sei ein legendäres Studio gewesen, das die Rolle des Rollenspiels mitdefiniert habe, und man treffe diese Entscheidung nicht leichtfertig.
Besonders schmerzhaft ist das Aus für Mass Effect 5. Das Spiel war im Dezember 2020 bei den Game Awards angekündigt worden und befand sich damals nach Angaben von BioWare in einer frühen Produktionsphase. Laut übereinstimmenden Berichten arbeiteten zuletzt nur noch rund 50 Menschen an dem Projekt. Ein Trailer für das Spiel soll bereits fertiggestellt gewesen sein, bevor EA die Entwicklung einstellte. Fans und Beobachter zeigten sich irritiert darüber, dass EA das Projekt in seiner Mitteilung weiterhin als «early development» bezeichnete, obwohl die Ankündigung mehrere Jahre zurückliegt.
Als Grund für die Schließung gilt unter anderem der enttäuschende Verkaufserfolg von Dragon Age: The Veilguard, das 2024 erschienen war und die Erwartungen von EA nicht erfüllte. Die Schließung von BioWare ist Teil umfassenderer Kostensenkungen beim Mutterkonzern. Bereits im Vorfeld war bekannt geworden, dass EA im Zuge von Umstrukturierungen Stellen streicht. Der Schritt reiht sich in eine Reihe von Studio-Schließungen und Entlassungswellen in der internationalen Spieleindustrie ein, die seit einigen Jahren anhalten.
Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meldeten sich in den vergangenen Stunden zu Wort. Der für Zwischensequenzen zuständige Tony de Waal schrieb auf LinkedIn, Mass Effect 5 wäre «etwas Besonderes» geworden, mit einem Maß an Entscheidungsfreiheit und Autonomie, das kein anderes Spiel erreicht hätte. Man habe sich an aktuellen Titeln von Larian und CD Projekt orientiert und Mass Effect auf die nächste Stufe heben wollen, ohne der ursprünglichen Trilogie untreu zu werden. Er sei traurig, dass die Spielerinnen und Spieler nie erfahren würden, woran das Team gearbeitet habe, und bat darum, diejenigen zu würdigen, die bis zum Schluss bei BioWare geblieben seien.
Auch die Bestsellerautorin Catherynne M. Valente, die an Mass Effect 5 mitwirkte, äußerte sich. Auf die Aussage eines Nutzers, die Branche sei grundlegend kaputt, wenn sie keine Fortsetzung des «besten Spiels aller Zeiten» hinbekomme, entgegnete sie, man habe durchaus eine Lösung gefunden und an einem großartigen Spiel gearbeitet. Der langjährige Mass-Effect-Produzent Mike Gamble, der noch vor wenigen Monaten zum N7 Day die Verbundenheit von EA und BioWare zu weiteren Geschichten im Universum betont hatte, reagierte auf Spekulationen über eine mögliche Ankündigung im November mit den Worten: «Du hast mich zum Lachen gebracht. Danke.» Der N7 Day am 7. November dürfte in diesem Jahr ohne größere Ankündigung verstreichen.
Ob die geplante Amazon-Serie zu Mass Effect von der Schließung betroffen ist, ist bislang unklar. Berichten zufolge soll das Projekt weiterhin in Arbeit sein. BioWare blickt auf mehr als 30 Jahre Geschichte zurück und galt vielen als der bedeutendste Rollenspiel-Entwickler der Welt. Mit der Schließung endet eine Ära, die das Erzählen in Videospielen nachhaltig verändert hat.