Die US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, gerät nach Berichten über die mutmaßliche Käuflichkeit ihres politischen Einflusses zunehmend unter Druck. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, soll Guilfoyle den Trump-Spender Eric Deters um eine Überweisung in Höhe von 100.000 Dollar gebeten haben. Die Bitte habe sie wenige Tage vor ihrer Anhörung im Senat platziert. Das Geld habe sie demnach benötigt, um Schulden bei American Express zu begleichen.
Der republikanische Senator John Barrasso äußerte sich gegenüber CBS News besorgt: «Was wir in den Berichten gesehen haben, ist sehr beunruhigend, es ist besorgniserregend.» Er gehe davon aus, dass das Außenministerium eine Ermittlung einleiten werde. Zudem werde sich der zuständige Ausschuss im Senat der Sache annehmen. Auch mehrere Demokraten, darunter Robert Garcia, ranghöchster Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, fordern eine lückenlose Aufklärung. «Das ist der jüngste Fall in einer langen Reihe von Korruptionsvorwürfen rund um die Trump-Regierung, und wir verlangen Antworten», sagte Garcia. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das ein Fall von eklatantem Machtmissbrauch.
Laut dem «Wall Street Journal» stand Guilfoyle seit Monaten in Kontakt mit Deters, der sie um Hilfe gebeten hatte, um die Aufmerksamkeit der Trump-Regierung auf persönliche steuerliche und rechtliche Angelegenheiten zu lenken. Deters soll ihr im Erfolgsfall Zahlungen von bis zu einer Million Dollar versprochen haben. Zu einer Zahlung kam es nach seinen Angaben jedoch nie. Deters sagte dem Sender CBS News, er habe nie vorgehabt, Guilfoyle tatsächlich Geld zu schicken, und sich stattdessen eine Ausrede ausgedacht. Er bezeichnete den Vorgang als «eindeutig ein Fall von Geld gegen Gefälligkeiten». Die Textnachrichten, die Guilfoyles Anfrage nach den 100.000 Dollar zeigen, teilte Deters mit CBS News.
Guilfoyle (57) war einst mit Donald Trump Jr., dem ältesten Sohn des Präsidenten, verlobt. Ihr Anwalt bestreitet die Echtheit der Nachrichten. Guilfoyle macht geltend, dass ihr wegen öffentlicher Auftritte vor ihrer Senatsanhörung Geld geschuldet worden sei. Deters hingegen erklärte, keine Schulden bei Guilfoyle gehabt zu haben. In einer der veröffentlichten Nachrichten soll Guilfoyle geschrieben haben: «Schatz, bitte, du musst das heute noch für mich erledigen», ergänzt durch ein Emoji mit gefalteten Händen sowie eine Datei mit Anweisungen zur Zahlung. Deters habe das Geld so senden sollen, dass die Überweisung im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar sei.
US-Außenminister Marco Rubio, dessen Ministerium für die Botschafter verantwortlich ist, traf Guilfoyle erst vergangene Woche in Athen. Bei einer Pressekonferenz wiegelte er die Fragen zu den Berichten jedoch ab: Dies sei nicht der richtige Rahmen für derlei Fragen. «Unsere Botschaft hier leistet hervorragende Arbeit», sagte Rubio. Guilfoyle sei eine «starke Botschafterin». Die Vorwürfe belasten dennoch die Amtsführung der Botschafterin und werfen Fragen nach der Kontrolle politischer Einflussnahme auf.