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Nach ukrainischem Vorstoß in Kursk: 330 Menschen weiterhin vermisst

Mehr als zwei Jahre nach dem ukrainischen Vorstoß in die russische Region Kursk sind mindestens 330 Bewohner weiterhin vermisst. Eine BBC-Recherche zeigt, wie Angehörige monatelang auf sich allein gestellt nach Eltern, Partnern und Freunden suchten und den Behörden Versäumnisse vorwerfen.

Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung unter der redaktionellen Verantwortung von Haydamax OÜ erstellt.

Mehr als zwei Jahre nach dem überraschenden Vorstoß der ukrainischen Armee in die russische Grenzregion Kursk ist das Schicksal von mindestens 330 Bewohnern weiterhin ungeklärt. Diese Zahl nannte der Gouverneur der Region, Alexander Chinschtein, im Juli. Das russische Außenministerium erklärte einen Monat später, die tatsächliche Zahl der Vermissten könne noch höher liegen. Eine Recherche des russischen Dienstes der BBC zeichnet nun nach, wie Angehörige über Monate weitgehend auf sich allein gestellt nach Eltern, Partnern und Freunden suchten.

Die Betroffenen werfen den Behörden vor, die Gefahr zunächst heruntergespielt, Bewohner nicht rechtzeitig evakuiert und die anschließende Suche schlecht organisiert zu haben. Nach Schätzungen russischer Behörden blieben rund 2.000 Menschen in den Ortschaften zurück, die anschließend unter ukrainische Kontrolle gerieten. Die Ukraine hatte mit dem Angriff vom 6. August 2024 erstmals größere Gebiete auf international anerkanntem russischem Staatsgebiet besetzt. Kiew wollte damit unter anderem russische Truppen von anderen Frontabschnitten abziehen. Über Monate wurde in der Region heftig gekämpft, Mobilfunk und Internet fielen vielerorts aus. Im Frühjahr 2025 eroberten russische Truppen den größten Teil des Gebiets zurück.

Eine der Betroffenen ist eine Frau, die von der BBC nur Ljubow genannt wird. Zuletzt habe sie am 7. August 2024 mit ihrer Mutter gesprochen – einen Tag, nachdem ukrainische Soldaten die Grenze zur Region Kursk überschritten hatten. Ljubow wollte sie dazu bewegen, ihr Dorf Darino im Bezirk Sudscha zu verlassen. Doch ihre Mutter sei geblieben. Ljubow macht dafür auch das russische Staatsfernsehen verantwortlich. Dort sei der Eindruck vermittelt worden, die Lage sei unter Kontrolle und nach wenigen Tagen wieder vorbei.

Angehörige begannen während der Kämpfe, selbst Listen anzulegen. Sie werteten Videos ukrainischer Soldaten und Berichte von Journalisten aus, sammelten Namen von Überlebenden und notierten, wo Tote gesehen oder beerdigt worden waren. Eine privat geführte Aufstellung umfasste nach Angaben der BBC zeitweise rund 1.000 Namen. Die offiziellen Zahlen sind widersprüchlich: Russlands Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa veröffentlichte Anfang 2025 eine Liste mit 517 vermissten Bewohnern. Angehörige fanden darin laut BBC jedoch Namen von Menschen, die bereits evakuiert oder getötet worden waren. In einigen Fällen waren sogar Personen aufgeführt, die selbst nach Familienmitgliedern suchten.

Im August 2025 sprach Chinschtein schließlich von 590 Vermissten. Bei 300 von ihnen sei der Verbleib inzwischen bekannt, zu 290 Menschen gebe es noch keine gesicherten Informationen. Inzwischen liegt die offizielle Zahl wieder bei 330. Ein einheitliches und verlässliches Bild ergibt sich daraus bis heute nicht.

Ljubow erfuhr nach der Rückeroberung Darinos von einer Überlebenden, dass ihre Mutter an einer Kopfverletzung gestorben sei. Wie sie diese erlitten hatte, blieb unklar. Die Leichen anderer Dorfbewohner wurden abtransportiert, doch von Ljubows Mutter fehlte weiter jede Spur. Erst im Oktober 2025 fragte Ljubow bei einem Besuch im Leichenhaus von Kursk gezielt nach einer nicht identifizierten Frau aus Darino. Mit Erfolg: Anhand von Fotos identifizierte sie schließlich ihre Mutter. Die Leiche war demnach bereits im April geborgen worden und hatte danach monatelang unidentifiziert im Leichenhaus gelegen. Eine DNA-Probe, die Ljubow im Januar abgegeben hatte, war nach ihren Angaben verloren gegangen.

Freiwillige berichteten der BBC, sie hätten Leichen aus Straßen und Feldern geborgen und dabei selbst für Leichensäcke und Treibstoff bezahlt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gibt an, bei zwei Rückführungsaktionen insgesamt 104 Zivilisten aus der Region Kursk nach Russland begleitet zu haben. Der Kursker Gouverneur, Russlands Menschenrechtsbeauftragte und das Russische Rote Kreuz äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Ukrainische Stellen erklärten, alle von ihnen aus der Region evakuierten Zivilisten seien an Russland übergeben worden. Was mit den übrigen Vermissten geschah, ist weiterhin ungeklärt.

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