Die russische Region Irkutsk hat eine der höchsten Anwerbeprämien des Landes für die Rekrutierung ausländischer Kämpfer eingeführt. Nach einem am 10. September von Gouverneur Igor Kobsew unterzeichneten Erlass erhalten Vermittler künftig 1,5 Millionen Rubel – umgerechnet etwa 15.300 Euro – für jeden Ausländer oder Staatenlosen, der einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium unterzeichnet. Das Geld geht an den Werber, nicht an den Rekruten selbst.
Nach Recherchen des unabhängigen Mediums «Vyorstka» handelt es sich um die höchste derartige Prämie, die eine russische Region bislang zahlt. Noch im April lag die maximale Prämie bei 400.000 Rubel, also rund 4.100 Euro. Die drastische Erhöhung innerhalb weniger Monate verdeutlicht den wachsenden Bedarf an neuen Soldaten für den Krieg in der Ukraine.
Menschenrechtsorganisationen sehen die Praxis kritisch. Amnesty International berichtete zuletzt, Ausländer würden teils mit vermeintlichen zivilen Arbeitsstellen, hohen Gehältern oder der Aussicht auf die russische Staatsbürgerschaft angeworben. Solche Methoden können nach Einschätzung der Organisation in vielen Fällen Menschenhandel darstellen. Die Rekruten selbst erhalten von der Prämie nichts – sie profitieren nur indirekt von den Versprechungen der Vermittler.
Die Entwicklung fällt in eine Phase intensiver diplomatischer Aktivitäten. Chinas Staatschef Xi Jinping und der indische Ministerpräsident Narendra Modi haben nach russischen Angaben ihre Vermittlung für Friedensgespräche zur Ukraine angeboten. Kremlsprecher Dmitri Peskow begrüßte diese Bereitschaft. Die drei Politiker nehmen am Wochenende am Brics-Gipfel in Delhi teil.
Unterdessen halten die Kämpfe an. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Teilrepublik Tatarstan wurden zwei Menschen getötet. Nach Angaben des Bürgermeisters von Nischnekamsk, Radmir Beljajew, stürzte eine Drohne in einen Baum und beschädigte ein Auto mit vier Insassen. Zwei Menschen starben, zwei weitere wurden schwer verletzt. Vier weitere Personen wurden verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrie- und zivile Objekte wurden beschädigt, in einem Unternehmen brach ein Feuer aus, das schnell gelöscht werden konnte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte unterdessen die Europäische Union scharf. Die EU hat bis zum 15. September Zeit, ihre Sanktionen gegen mehr als 3.000 überwiegend russische Einrichtungen und Personen zu verlängern, konnte sich aber auch am 11. September nicht auf eine Verlängerung einigen. Selenskyj nannte das Verhalten der EU «unmoralisch und selbstzerstörerisch». Die Slowakei blockiert eine Einigung und fordert die Aufhebung der Sanktionen gegen die Oligarchen Michail Fridman und Alischer Usmanow. Laut vier EU-Diplomaten hat sich nun erstmals auch Frankreich dem Vorstoß angeschlossen, Usmanow von der Liste zu streichen.
Selenskyj forderte die EU auf, Druck auf den russischen Unternehmenssektor auszuüben, anstatt Sanktionen zu lockern. Die Sanktionen waren zuletzt am 14. März verlängert worden.
Die diplomatischen Bemühungen gehen indes weiter. Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten, Kyrylo Budanow, kündigte an, dass die Ukraine im Oktober Gespräche im Dreierformat mit Russland und den USA erwartet. Ein genaues Datum oder einen Ort nannte er nicht. Kremlsprecher Peskow erklärte zuletzt, der Kreml gehe davon aus, dass die USA, Russland und die Ukraine den Dialog «in absehbarer Zeit» fortsetzen könnten. Er schränkte jedoch ein, dass der Erfolg schwer vorherzusagen sei, da sich die Lage vor Ort für die Ukrainer verschlechtere.
US-Unterhändler hatten am vergangenen Wochenende Moskau und Kiew besucht, um Möglichkeiten einer friedlichen Lösung zu sondieren. Eine Fortsetzung des seit Monaten unterbrochenen Dialogs im Dreierformat wurde ins Auge gefasst. Die Gespräche werden von Unterhändlern geführt, die stets Rücksprache mit ihren Staatschefs halten müssen. Ein direktes Treffen der Präsidenten der USA, Russlands und der Ukraine wird erst am Ende erwartet.
Ein solches Treffen von Putin und Selenskyj beim diesjährigen G20-Gipfel in den USA schloss der Kreml jedoch aus. «Das ist unmöglich», sagte Peskow am Samstag in Neu Delhi. Er bekräftigte, dass eine Begegnung nur in Moskau stattfinden könne. Selenskyj hatte zuvor seine Bereitschaft zu einem Treffen mit Putin beim G20-Gipfel in Miami signalisiert.