Das russische Militär hat bei einem nächtlichen Drohnenangriff eine Abfüllanlage von Coca-Cola in Browary nahe Kiew beschädigt. Das Unternehmen teilte mit, dass bei dem Angriff kein Werksangehöriger verletzt worden sei. Die Region Kiew meldete insgesamt mindestens 13 Verletzte durch die Angriffe in der Nacht zu Freitag, darunter ein zwölfjähriges Mädchen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte umgehend und deutete den Angriff als gezielte Provokation gegen die Vereinigten Staaten. „Coca-Cola ist für sie ein solcher Feind, dass sie es mit ihren Shahed-Drohnen in Brand gesetzt haben“, sagte er in einer nächtlichen Videoansprache. „Das ist ein Angriff auf die USA.“ Das russische Militär unter Staatschef Wladimir Putin hatte zuletzt seine Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine verstärkt.
Unterdessen sind die russischen Einnahmen aus Ölverkäufen im August auf den niedrigsten Stand seit sechs Monaten gesunken. Wie die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag berichtete, beliefen sich die Nettoeinnahmen des Haushalts aus der Ölförderung auf 326,2 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 3,76 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von etwa 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und markiert den niedrigsten Stand seit Februar. Als Grund nennt Bloomberg fallende Exportpreise.
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff ist zudem ein Öldepot in der russischen Schwarzmeer-Hafenstadt Sotschi in Brand geraten. Die russischen Behörden der Region Krasnodar bestätigten den Vorfall über den Kurznachrichtendienst Telegram. Details zu möglichen Schäden oder Verletzten wurden zunächst nicht genannt.
In der russischen Stadt Engels in der Region Saratow hat es offenbar ein Attentat auf den russischen General Nikolai Warpakhowitsch gegeben. Wie russische Telegramkanäle melden, wurde der Leiter der 22. Schweren Bomberdivision am Donnerstag von mehreren Kugeln getroffen. Engels liegt nahe einem der wichtigsten russischen Luftwaffenstützpunkte. Selenskyj bestätigte den Namen nicht, sprach aber am Abend von „asymmetrischen Attacken“, die die Ukraine in Russland durchführe. „Die russischen Kriminellen haben sich nicht versteckt – sie werden gefunden werden. Und heute gibt es eine weitere Bestätigung dafür, eine Bestätigung aus der Region Saratow“, sagte er. Warpakhowitsch wird von der Ukraine vorgeworfen, einen Angriff auf Kiew im Juli 2024 befohlen zu haben, bei dem ein Krankenhaus getroffen wurde und drei Menschen starben, darunter ein Kind.
Im russischen Grenzgebiet Belgorod sind durch ukrainischen Beschuss nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. Drei weitere wurden verletzt, wie der kommissarische Gouverneur Alexander Schuwajew bei Telegram mitteilte. Die Opfer befanden sich demnach in einem Krankenwagen in der Stadt Schebekino, die nur rund fünf Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt liegt. Russische Truppen sind an diesem Grenzabschnitt bis zu zehn Kilometer weit in die benachbarte ukrainische Region Charkiw vorgedrungen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Ein russisches Gericht hat gegen die Leiterin eines Kinderhospizes eine Ausgangs- und Kommunikationssperre verhängt. Die am Vortag wegen Kritik an der russischen Armee festgenommene Lida Moniawa dürfe ihre Wohnung zwischen 20 Uhr und 8 Uhr nicht verlassen und kein Internet nutzen, teilte ihr Anwalt Michail Birjukow am Donnerstag mit. Zudem dürfe sie nicht mit Zeugen sprechen. Im Falle einer Verurteilung drohen der 38-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft.
US-Präsident Donald Trump fordert von europäischen Staaten unterdessen die Rückzahlung von US-Militärhilfen für die Ukraine und signalisiert einen vorübergehenden Stopp von Waffenverkäufen an Verbündete. Hunderte Milliarden Dollar seien der Ukraine und der Nato zur Verfügung gestellt worden, schrieb Trump in sozialen Medien. Europa hätte dafür bezahlt, wenn man nur darum gebeten hätte. „Wir werden dieses Geld einfordern, wenn auch etwas verspätet“, fügte er hinzu. Zugleich kritisierte er Berichte über stark geschrumpfte US-Munitionsbestände. Die USA würden ihre Vorräte derzeit für sich selbst aufstocken, anstatt Munition zu verkaufen. Die Verkäufe an Verbündete würden aber bald wieder aufgenommen.