Disney hat Spekulationen über eine mögliche vollständige Übernahme des Fortnite-Studios Epic Games zurückgewiesen. «Das sind nicht die Gespräche, die wir derzeit führen», sagte Disney-Managerin Dana Walden bei einem Branchenevent des Nachrichtensenders Bloomberg. Man habe aber eine «großartige Partnerschaft».
Disney hält bereits eine Beteiligung an Epic Games. Der Konzern investierte mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen und sicherte sich damit Anteile. Eine Komplettübernahme steht laut Walden derzeit jedoch nicht zur Debatte. Stattdessen arbeiten beide Seiten an neuen Spielen, die als «transformativ» beschrieben werden. Erste Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind bereits sichtbar: Fortnite-Inhalte tauchten zuletzt auch in den realen Disney-Freizeitparks auf.
Walden kündigte an, dass in den kommenden zwei Jahren mehrere Veröffentlichungen folgen sollen, die den Wert der Partnerschaft unter Beweis stellen würden. Konkrete Details nannte sie nicht. Die Aussagen dürften jedoch einige der hartnäckigsten Gerüchte der Gaming-Branche vorerst beenden.
Hintergrund der Spekulationen ist ein Bericht des Technologiejournalisten Alex Heath. In einem Podcast sagte Heath, er wisse «mit Sicherheit», dass einige Führungskräfte bei Disney Epic Games kaufen wollen und auf den richtigen Moment warten. Andere Manager im Unternehmen hielten eine Übernahme dagegen für keine gute Idee. Offiziell bestätigt wurde davon nichts.
Ein weiterer Faktor könnte die Unternehmensstruktur von Epic Games sein. Das Studio wird von Gründer und CEO Tim Sweeney kontrolliert, der die Mehrheit der Stimmrechte hält und damit allein über die Zukunft des Unternehmens entscheiden kann. Eine feindliche Übernahme wäre damit praktisch ausgeschlossen. Ein Verkauf müsste von Sweeney selbst gewollt sein.
Disney hat in der Vergangenheit bereits Interesse an anderen Spielestudios gezeigt. 2023 gab es Berichte, wonach der Konzern eine Übernahme von Electronic Arts prüfte. Damals kam kein Geschäft zustande. EA wurde später an den saudi-arabischen Staatsfonds PIF verkauft.
Die Verbindung zwischen Disney und Epic reicht über die reine Investition hinaus. Epics Unreal Engine wird bei Disney-Produktionen eingesetzt, etwa bei der Serie «The Mandalorian», um Szenen auf LED-Leinwände rund um das physische Set zu projizieren. Disney-CEO Josh D’Amaro gilt als großer Befürworter von Videospielen und hat angekündigt, das Engagement in diesem Bereich ausbauen zu wollen.
Für Disney steht dabei auch der Aktienkurs im Fokus. Das Unternehmen befindet sich seit rund zehn Jahren in einer Aktienflaute. Während der Corona-Pandemie schnellte der Kurs kurzzeitig nach oben, liegt heute aber niedriger als vor einem Jahrzehnt. Analysten an der Wall Street suchen nach einem Impuls, der die Aktie wieder in Bewegung bringen könnte. Weitere Investitionen in Technologie und Gaming gelten dabei als möglicher Weg.
D’Amaro hat bereits mehrere Ideen für eine tiefere Integration von Disney in Fortnite ins Spiel gebracht. Dazu gehört, dass Spieler über die Plattform Disney-Kreuzfahrten buchen oder einen Disney-Film ansehen können. Fortnite ist damit ein wichtiger, aber nicht der einzige Baustein von Disneys Gaming-Strategie. Der Konzern besitzt heute neun Spielereihen, die jeweils mehr als eine Milliarde US-Dollar eingespielt haben.