In der sächsischen Stadt Heidenau bei Dresden sollen keine weiteren Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Der Stadtrat hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Für die Entscheidung stimmten nach vorliegenden Informationen die AfD und die CDU. Bisher gibt es in Heidenau an zwei Standorten solche Gedenksteine, die an Menschen erinnern, die während der NS-Zeit ermordet wurden.
Die Absicht hinter dem Beschluss ist offenbar, die sichtbare Erinnerung an die deutsche Vergangenheit im öffentlichen Raum zu reduzieren. Statt der Verlegung weiterer Stolpersteine soll das Gedenken an die ermordeten Einwohner der Stadt künftig auf dem Friedhof stattfinden. Kritiker sehen darin eine Verdrängung der historischen Verantwortung. Die Zahl der bisherigen Stolpersteine sei kein praktisches Problem, betonen sie. Es gehe vielmehr darum, dass sich manche Menschen mit der sichtbaren Erinnerung unwohl fühlen.
Die Entscheidung hat über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt, weil sie in eine Zeit fällt, in der über den Umgang mit der NS-Vergangenheit und die Stärke der AfD in Teilen Ostdeutschlands diskutiert wird. Der Beschluss wird als Beispiel dafür gewertet, wie sich kommunale Gremien von der Erinnerungskultur abwenden. In Heidenau regiert eine Koalition, in der die CDU eine wichtige Rolle spielt. Dass die CDU dem Beschluss zugestimmt hat, wird von Beobachtern als bemerkenswert eingestuft, da die Partei auf Bundesebene betont, gegen jede Form von Geschichtsvergessenheit einzutreten.
Die Stolpersteine sind ein europaweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Seit den 1990er Jahren werden die kleinen Messingtafeln vor den letzten frei gewählten Wohnorten von NS-Opfern in den Boden eingelassen. Sie gelten als dezentrale Form des Gedenkens, die den Opfern ihre Namen zurückgibt und die Erinnerung in den Alltag der Städte und Gemeinden trägt. In vielen Kommunen werden sie von Angehörigen, Schulen und Initiativen gepflegt. Ein Verzicht auf weitere Verlegungen wird daher nicht nur als lokale, sondern als grundsätzliche Entscheidung über die Erinnerungskultur verstanden.
Der Beschluss von Heidenau reiht sich in eine Reihe von Auseinandersetzungen ein, die in den vergangenen Jahren in verschiedenen Orten geführt wurden. Dabei ging es häufig um die Frage, ob Stolpersteine im öffentlichen Raum sichtbar sein sollen oder ob andere Formen des Gedenkens angemessener seien. Befürworter der Steine argumentieren, dass gerade die Sichtbarkeit im Alltag die Auseinandersetzung mit der Geschichte wachhält. Gegner führen mitunter an, dass die Steine den öffentlichen Raum belasten oder dass das Gedenken an einem zentralen Ort wie einem Friedhof besser aufgehoben sei.
Für die Angehörigen der Opfer und für zivilgesellschaftliche Gruppen ist die Entscheidung ein Einschnitt. Sie befürchten, dass das Gedenken an die NS-Zeit in Heidenau an Sichtbarkeit verliert und dass die Stadt ein Signal setzt, das über den lokalen Fall hinaus wirkt. Ob es zu weiteren Debatten oder zu Initiativen kommt, die den Beschluss rückgängig machen wollen, ist derzeit offen. Klar ist, dass die Diskussion über den Umgang mit der Vergangenheit in Deutschland nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in den Städten und Gemeinden geführt wird.